7. October 2026

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Bits & Pretzels 2026: Diese Start-ups sollte man genauer kennen

Bits & Pretzels 2026: Diese Start-ups sollte man genauer kennen

Auf der Bits & Pretzels 2026 zeigen mehrere hundert junge Unternehmen, woran derzeit in der europäischen Start-up-Szene gearbeitet wird.

Die Bandbreite ist bemerkenswert: künstliche Intelligenz, Robotik, digitale Signaturen, Datenschutz, Medizintechnik und automatisierte Unternehmenssoftware stehen nebeneinander.

Der Veranstalter spricht von mehr als 250 ausstellenden Start-ups, rund 1.700 Investoren und etwa 21.000 geplanten Gründer-Investoren-Treffen.

Wir haben uns einige der Unternehmen genauer angesehen.

ADGENTIC AI: Neun KI-Agenten sollen eine Marketingabteilung unterstützen

Zu den offiziell angekündigten Ausstellern gehört ADGENTIC AI.

Das Unternehmen entwickelt eine Plattform für automatisiertes Performance-Marketing.

Die Besonderheit: Statt eines einzelnen KI-Assistenten arbeiten nach Angaben des Unternehmens neun spezialisierte KI-Agenten zusammen.

Sie übernehmen unterschiedliche Aufgaben wie Recherche, Markenführung, Gestaltung, E-Mail-Marketing, Social Media und Performance-Werbung.

Der Mensch soll dabei weiterhin Kampagnen freigeben und kontrollieren.

ADGENTIC verspricht, aus Unternehmensinformationen und einem einfachen Briefing komplette Marketingkampagnen erstellen zu können. Nach eigenen Angaben lassen sich unter anderem Meta-Anzeigen, E-Mails und Social-Media-Inhalte produzieren.

Die Marktchance

Marketing ist ein interessanter Markt für sogenannte Agentic-AI-Systeme.

Viele mittelständische Unternehmen beschäftigen heute mehrere Agenturen und verwenden zahlreiche einzelne Softwarelösungen.

Wenn eine Plattform tatsächlich mehrere dieser Aufgaben bündeln kann, entstehen erhebliche Einsparmöglichkeiten.

Der Wettbewerb ist allerdings enorm.

Nahezu alle großen Softwareanbieter integrieren derzeit KI-Funktionen in ihre Marketingprodukte.

ADGENTIC muss deshalb beweisen, dass spezialisierte Agenten tatsächlich bessere Ergebnisse liefern als etablierte Plattformen mit nachgerüsteter KI.

amaiko: Die KI-Kollegin aus dem Bayerischen Wald

Ebenfalls offiziell als Aussteller angekündigt wurde amaiko.ai aus Viechtach in Bayern.

Das Unternehmen wurde 2025 von Christian und Stefan Kirsch gegründet.

Die Idee: Unternehmenswissen soll nicht mehr in E-Mails, Chats, Dateien und den Köpfen einzelner Mitarbeiter verschwinden.

amaiko integriert sich direkt in Microsoft Teams und Microsoft 365.

Die Software kann beispielsweise E-Mails bearbeiten, Meetings zusammenfassen, Dokumente erstellen, Unternehmensinformationen durchsuchen und Wissen aus vergangenen Arbeitsabläufen verfügbar machen.

Das Unternehmen positioniert die Software ausdrücklich nicht als weiteren Chatbot, sondern als digitale Kollegin beziehungsweise als Orchestrierungsschicht über bestehenden Unternehmenssystemen.

Die Marktchance

Gerade im deutschen Mittelstand könnte dieses Problem erheblich sein.

Wenn erfahrene Beschäftigte in den Ruhestand gehen oder Mitarbeiter das Unternehmen wechseln, verschwindet häufig Wissen.

Ein System, das Informationen aus Teams, Outlook, SharePoint und anderen Programmen dauerhaft strukturiert verfügbar macht, könnte deshalb echten wirtschaftlichen Nutzen bieten.

Der Vorteil von amaiko liegt außerdem in der Integration in Microsoft-Systeme, die in vielen Unternehmen ohnehin verwendet werden.

Das Risiko: Microsoft selbst entwickelt Copilot immer weiter.

amaiko muss deshalb Funktionen bieten, die deutlich über einen allgemeinen KI-Assistenten hinausgehen.

crowndental.AI: Künstliche Intelligenz für die Zahnmedizin

Ein besonders interessantes MedTech-Unternehmen auf der Messe ist crowndental.AI aus Wien. Auch das Unternehmen gehörte zur ersten offiziell angekündigten Ausstellergruppe.

Das Unternehmen beschäftigt sich mit präventiver Zahnmedizin.

Im Mittelpunkt steht die bessere Erkennung und Visualisierung von Biofilm und Zahnbelag.

Das Ziel ist, Probleme möglichst früh sichtbar zu machen, bevor daraus größere Zahnerkrankungen entstehen.

Das Unternehmen argumentiert, dass die Zahnmedizin vielerorts noch stark auf visuelle Untersuchungen und bereits erkennbare Schäden ausgerichtet sei. crowndental.AI möchte daraus stärker messbare und vergleichbare Präventionsprozesse entwickeln.

Hinter dem Unternehmen stehen unter anderem Thomas Kloibhofer, Gregor Willenberg, Bernhard Rieder-Velkova und Christoph Janeczek.

Die Marktchance

Der Gesundheitsmarkt ist besonders interessant, weil erfolgreiche Technologien nicht nur an Verbraucher, sondern auch an Zahnärzte, Kliniken, Versicherungen und Gesundheitsanbieter verkauft werden können.

Gleichzeitig sind MedTech-Märkte schwierig.

Produkte benötigen belastbare medizinische Nachweise, teilweise regulatorische Zulassungen und das Vertrauen von Ärzten.

Gelingt dieser Schritt allerdings, sind die Markteintrittsbarrieren für Nachahmer deutlich höher als bei vielen reinen Softwareprodukten.

pib.rocks: Der humanoide Roboter aus dem 3D-Drucker

Einer der ungewöhnlichsten Aussteller ist pib.rocks aus Nürnberg.

pib steht für „printable intelligent bot“.

Der humanoide Roboter lässt sich selbst mit einem 3D-Drucker herstellen, zusammenbauen und programmieren.

Die Baupläne, Materiallisten und Softwarebestandteile werden als Open Source zur Verfügung gestellt.

Das Projekt richtet sich unter anderem an Schulen, Universitäten, Maker und Forschungseinrichtungen.

Programmiert werden kann pib beispielsweise mit Blockly, Python oder ROS 2.

Das System arbeitet bewusst nach einem Human-in-the-Loop-Prinzip und ist als Lern- und Forschungsplattform ausgelegt.

Der Anbieter arbeitet inzwischen außerdem an pib.Pro, einer professionellen Open-Source-Plattform für Einsatzgebiete wie Industrie, Forschung und Pflege.

Die Marktchance

Humanoide Robotik gehört derzeit zu den technologisch spannendsten Märkten überhaupt.

Allerdings dominieren dort kapitalstarke Unternehmen.

pib verfolgt deshalb einen anderen Ansatz:

Nicht der teuerste oder leistungsfähigste Roboter soll gebaut werden, sondern eine offene Plattform, auf der Entwickler, Schulen und Unternehmen eigene Anwendungen entwickeln können.

Das könnte insbesondere für Ausbildung und Forschung attraktiv sein.

Wenn sich ein ausreichend großes Entwickler-Ökosystem bildet, könnte gerade der Open-Source-Ansatz zum Wettbewerbsvorteil werden.

heyData: Datenschutz wird zur Software

Auch das Berliner Unternehmen heyData gehört zu den offiziell angekündigten Ausstellern.

heyData will Datenschutz und Compliance für Unternehmen vereinfachen.

Die Plattform bündelt unter anderem Aufgaben rund um DSGVO, Dienstleistermanagement, ISO 27001, NIS2 und den europäischen AI Act.

Das Unternehmen gibt an, bereits mehr als 2.500 Unternehmen in Europa zu unterstützen.

2026 erreichte heyData nach eigenen Angaben mit einer Series-A-Finanzierungsrunde einen weiteren Wachstumsschritt.

Die Marktchance

Compliance ist kein besonders glamouröser Markt – aber genau deshalb wirtschaftlich interessant.

Unternehmen können auf Datenschutz, Informationssicherheit und regulatorische Anforderungen nicht einfach verzichten.

Mit NIS2 und dem AI Act steigen die Anforderungen zusätzlich.

Software, die solche Aufgaben automatisiert, konkurriert deshalb nicht nur mit anderer Software, sondern auch mit Beratern und manueller Verwaltungsarbeit.

Das eröffnet einen großen B2B-Markt.

SIGN8: Die digitale Unterschrift als Infrastruktur

Das Münchner Unternehmen SIGN8 war ebenfalls Teil der ersten Ausstellerankündigung für 2026.

SIGN8 entwickelt Lösungen für elektronische Signaturen, Zertifikate und digitale Identitäten.

Das Unternehmen ist Vertrauensdiensteanbieter und arbeitet nach eigenen Angaben DSGVO- und eIDAS-konform.

Die Technologie wird vollständig in Deutschland entwickelt.

SIGN8 unterstützt verschiedene Stufen elektronischer Signaturen – von einfachen elektronischen Signaturen bis zu qualifizierten elektronischen Signaturen.

Letztere können in bestimmten Fällen die gesetzlich geforderte Schriftform ersetzen.

Die Marktchance

Immer mehr Geschäftsprozesse werden vollständig digital.

Verträge auszudrucken, zu unterschreiben, einzuscannen und anschließend wieder digital abzulegen, passt kaum noch in moderne Arbeitsabläufe.

Elektronische Signaturen werden deshalb zunehmend zu einer grundlegenden digitalen Infrastruktur.

Interessant für SIGN8 ist insbesondere der europäische Markt, weil Regulierung und digitale Identitäten künftig enger miteinander verbunden werden dürften.

Zapdeck: KI soll PowerPoint automatisieren

Ein weiteres offiziell angekündigtes Unternehmen ist Zapdeck.

Die Plattform nutzt künstliche Intelligenz zur Erstellung professioneller Unternehmenspräsentationen.

Nutzer können beispielsweise Texte, PDFs, Tabellen oder Screenshots hochladen.

Die KI erstellt daraus Präsentationsfolien und kann vorhandene Slides bearbeiten, kürzen, übersetzen oder an Corporate-Design-Vorgaben anpassen.

Zapdeck richtet sich ausdrücklich an Geschäftskunden und nicht primär an Privatnutzer.

Die Software kann außerdem über Schnittstellen in bestehende Unternehmenssysteme eingebunden werden.

Die Marktchance

Präsentationen gehören zu den zeitaufwendigsten Standardaufgaben in Beratung, Vertrieb, Finanzwesen und Management.

Wer diesen Prozess zuverlässig automatisiert, adressiert einen riesigen Markt.

Das Problem ist auch hier der Wettbewerb.

Microsoft, Google, Canva und zahlreiche KI-Start-ups arbeiten an ähnlichen Lösungen.

Zapdeck muss deshalb vor allem bei Corporate Design, Automatisierung und professionellen Diagrammen besser sein als allgemeinere KI-Werkzeuge.

niostem: Hightech gegen Haarausfall

Auch niostem bestätigt öffentlich seine Teilnahme an der Bits & Pretzels 2026.

Das Unternehmen präsentierte sich auf der Messe mit einem Wearable gegen erblich bedingten Haarausfall.

Das Gerät setzt auf kontrollierte bioelektrische Stimulation und soll ruhende Zellen beziehungsweise Haarfollikel stimulieren.

niostem vermarktet das Verfahren als nicht invasive und medikamentenfreie Alternative zu bestehenden Behandlungen.

Das Unternehmen verweist dabei auf klinische Untersuchungen.

Die Marktchance

Haarausfall ist ein enorm großer Verbrauchermarkt.

Millionen Menschen geben bereits heute erhebliche Summen für Medikamente, kosmetische Mittel oder Haartransplantationen aus.

Ein wirksames Wearable hätte deshalb einen attraktiven Markt.

Bei Gesundheitsprodukten ist allerdings entscheidend, wie robust wissenschaftliche Studien sind und ob sich die versprochene Wirkung auch bei einer breiten Nutzergruppe bestätigt.

Marketing allein reicht in diesem Markt langfristig nicht.

Was diese Unternehmen gemeinsam haben

Auf den ersten Blick haben ein Zahnmedizin-Start-up, ein humanoider Roboter und eine Compliance-Plattform wenig miteinander zu tun.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch ein Muster.

Viele der Unternehmen versuchen nicht mehr, einfach eine neue App auf den Markt zu bringen.

Sie greifen bestehende Geschäftsprozesse an.

ADGENTIC automatisiert Marketing.

amaiko automatisiert Wissensarbeit.

Zapdeck automatisiert Präsentationen.

heyData automatisiert Compliance.

SIGN8 digitalisiert rechtsverbindliche Geschäftsprozesse.

crowndental.AI versucht Diagnostik und Prävention datenbasierter zu machen.

pib bringt Robotik in Ausbildung, Forschung und möglicherweise später industrielle Anwendungen.

Einordnung

Genau darin liegt eine der wichtigsten Entwicklungen der europäischen Start-up-Szene 2026.

Künstliche Intelligenz ist nicht mehr allein das Produkt.

Sie wird zunehmend zur Basistechnologie hinter konkreten Anwendungen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr:

„Hat das Start-up KI?“

Sondern:

„Welches teure oder ineffiziente Problem löst es damit?“

Einordnung: B2B könnte für deutsche Start-ups besonders interessant sein

Viele der Unternehmen auf der Bits & Pretzels richten sich an Geschäftskunden.

Das ist für Deutschland kein Nachteil.

Deutschland besitzt einen großen Mittelstand, Industrieunternehmen, Versicherungen, Kliniken, Banken und andere potenzielle Unternehmenskunden.

Ein Start-up muss deshalb nicht zwangsläufig die nächste globale Verbraucher-App entwickeln.

Es kann Software oder Technologie bauen, mit der andere Unternehmen effizienter arbeiten.

Gerade hier liegt eine mögliche Stärke des europäischen Start-up-Marktes.

Einordnung: Regulierung wird selbst zum Geschäft

Bemerkenswert ist außerdem, dass Unternehmen wie heyData und SIGN8 ihr Geschäft teilweise gerade aus den komplexer werdenden gesetzlichen Anforderungen entwickeln.

DSGVO, NIS2, eIDAS und der AI Act verursachen für Unternehmen zunächst zusätzliche Arbeit.

Für Start-ups entstehen dadurch gleichzeitig neue Märkte.

Wer Regulierung technisch so übersetzt, dass Unternehmen ihre Pflichten einfacher erfüllen können, kann daraus ein skalierbares Geschäftsmodell entwickeln.

Einordnung: Hardware kehrt zurück

pib, niostem und crowndental.AI zeigen gleichzeitig, dass Start-ups nicht mehr ausschließlich Software entwickeln.

Robotik, Wearables und Medizintechnik verbinden physische Produkte mit Software und künstlicher Intelligenz.

Solche Unternehmen benötigen häufig mehr Kapital und Entwicklungszeit.

Dafür lassen sie sich deutlich schwerer kopieren als eine reine Softwareanwendung.

Bewertung

Die interessantesten Unternehmen auf der Bits & Pretzels sind deshalb nicht zwangsläufig diejenigen mit der spektakulärsten KI-Demo.

Entscheidend wird sein, welche Start-ups ein dauerhaftes Kundenproblem lösen und daraus wiederkehrende Umsätze entwickeln können.

Besonders attraktiv erscheinen Geschäftsmodelle dort, wo drei Faktoren zusammenkommen:

Ein großes bestehendes Problem, hohe Kosten für die bisherige Lösung und eine Technologie, die diesen Prozess messbar verbessert.

Genau deshalb verdienen Unternehmen aus Bereichen wie Compliance, Robotik, Unternehmens-KI, MedTech und digitaler Identität besondere Aufmerksamkeit.

Fazit

Die Bits & Pretzels 2026 zeigt eine Start-up-Landschaft, die deutlich vielfältiger ist als der derzeitige KI-Hype vermuten lässt.

Natürlich spielt künstliche Intelligenz fast überall eine Rolle.

Aber entscheidend ist inzwischen die Anwendung.

ADGENTIC AI will Marketing automatisieren.

amaiko möchte Unternehmenswissen bewahren und Arbeit in Microsoft 365 automatisieren.

crowndental.AI setzt auf datenbasierte Zahnmedizin.

pib.rocks öffnet humanoide Robotik für Schulen, Entwickler und Unternehmen.

heyData automatisiert Datenschutz und Compliance.

SIGN8 baut Infrastruktur für digitale Unterschriften und Identitäten.

Zapdeck will professionelle Präsentationen weitgehend automatisieren.

Und niostem verbindet Bioelektronik mit einem Produkt gegen Haarausfall.

Das eigentlich Spannende an der Messe ist deshalb nicht ein einzelnes Unternehmen.

Es ist die Richtung:

Aus dem Start-up-Boom entstehen zunehmend Firmen, die nicht nur Apps bauen, sondern versuchen, reale Geschäftsprozesse, Medizin, Robotik und industrielle Arbeitsabläufe grundlegend zu verändern.

Die Auswahl ist bewusst keine vollständige Liste aller Messeaussteller. Die Bits & Pretzels nennt aktuell 250+ Start-ups auf der Exhibition-Fläche; öffentlich zugängliche Verzeichnisse erfassen nur einen Teil davon namentlich. Bits & Pretzels

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