Brandenburg setzt auf Start-up-Offensive: Millionenförderung soll Gründer und innovative Unternehmen ins Land holen
Brandenburg will sich als einer der attraktivsten Standorte für Start-ups und innovative Unternehmensgründungen in Deutschland etablieren. Mit einer umfassenden Gründungsoffensive, neuen Förderprogrammen und Beteiligungsfonds sowie einem landesweiten Netzwerk aus Start-up-Zentren investiert das Land mehr als 170 Millionen Euro in den Ausbau seines Gründerökosystems. Besonders technologieorientierte Jungunternehmen sollen von Zuschüssen, Beteiligungskapital und intensiver Betreuung profitieren.
Während sich viele Bundesländer verstärkt um die Ansiedlung internationaler Unternehmen bemühen, verfolgt Brandenburg einen zusätzlichen Ansatz: Innovative Unternehmen sollen möglichst bereits im Land entstehen und dort wachsen. Aus diesem Grund bündelt die Landesregierung seit 2023 sämtliche Maßnahmen zur Existenzgründung und Unternehmensnachfolge unter der Gründungsoffensive Brandenburg.
Ziel ist es, mehr Menschen für den Schritt in die Selbstständigkeit zu gewinnen, den Wissenstransfer aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu beschleunigen sowie langfristig einen innovationsstarken Mittelstand aufzubauen.
Millionenförderung für Gründer in mehreren Phasen
Die Unterstützung beginnt bereits lange vor der eigentlichen Unternehmensgründung.
Über das Programm „Gründen in Brandenburg“ (GiB) erhalten Gründungsinteressierte individuelle Beratung, Coachings und Qualifizierungsangebote. Unterstützt werden klassische Unternehmensgründungen ebenso wie nachhaltige, soziale oder technologieorientierte Geschäftsmodelle.
Nach der Gründung setzt das Förderprogramm „Gründung innovativ“ an. Es richtet sich an junge Unternehmen innerhalb der ersten drei Jahre ihres Bestehens und soll ihnen den schwierigen Übergang von der Geschäftsidee in die Wachstumsphase erleichtern.
Dabei werden sowohl Investitionen als auch laufende Betriebskosten gefördert. Zusätzlich kann das Land sogar ein sogenanntes Gründungsgehalt finanzieren. Geschäftsführer mit Gesellschafterstatus können Personalkosten von bis zu 50.000 Euro pro Jahr über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren fördern lassen.
Je nach Fördertatbestand sind Zuschüsse zwischen 30.000 und 180.000 Euro möglich. Die Förderquote beträgt bis zu 60 Prozent der förderfähigen Ausgaben.
Beteiligungskapital statt klassischer Kredite
Neben direkten Zuschüssen setzt Brandenburg zunehmend auf Eigenkapitalfinanzierungen.
Über den Eigenkapitalfonds Brandenburg (BFB IV) werden Start-ups sowie kleine und mittlere Unternehmen mit Beteiligungskapital oder beteiligungsähnlichen Finanzierungen wie Nachrangdarlehen unterstützt.
Die Finanzierungsmöglichkeiten reichen dabei von bis zu 1,5 Millionen Euro für innovative Start-ups über 6 Millionen Euro für Wachstumsunternehmen bis hin zu 3 Millionen Euro bei Mezzanine-Finanzierungen.
Gerade junge Technologieunternehmen profitieren häufig stärker von Beteiligungskapital als von klassischen Bankkrediten, da in frühen Unternehmensphasen oft noch keine ausreichenden Sicherheiten vorhanden sind.
Sechs neue Start-up-Zentren begleiten junge Unternehmen
Ein zentrales Element der Landesstrategie bilden die seit 2025 eingerichteten Start-up-Zentren.
Sie befinden sich in Potsdam, Bad Belzig, Cottbus, Wildau, Beeskow und Strausberg und unterstützen Gründer mit modernen Büroräumen, Laboren, Werkstätten sowie individueller Beratung.
Innovative Start-ups werden für sechs bis zwölf Monate in sogenannten Kohorten aufgenommen. Während dieser Zeit begleiten erfahrene Coaches die Unternehmen bei Finanzierungsfragen, Patentanmeldungen, der Produktentwicklung, internationalen Kontakten und der Gewinnung erster Kunden.
Besonders in technologieintensiven Branchen sollen junge Unternehmen dadurch schneller wachsen und sich auf nationalen sowie internationalen Märkten etablieren können.
Fünf Zukunftsfelder stehen im Mittelpunkt
Inhaltlich orientiert sich Brandenburg künftig an der neuen Innovationsstrategie InnoBB 2035, die gemeinsam mit Berlin entwickelt wurde.
Zu den strategischen Schwerpunktbereichen zählen:
- Digitale Technologien und Creative Tech
- Intelligente Energiesysteme
- Innovative Mobilität
- Gesundheit und Teilhabe
- Innovative nachhaltige Produktion und neue Materialien
Damit konzentriert sich das Land auf Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Halbleitertechnologien, GreenTech, Medizintechnik, Biotechnologie sowie moderne Energie- und Mobilitätslösungen. Start-ups aus diesen Bereichen sollen künftig besonders von den vorhandenen Förderinstrumenten profitieren.
Bereits Millionen in junge Unternehmen investiert
Die Förderprogramme werden bereits intensiv genutzt.
Im Programm „Gründung innovativ“ wurden zwischen August 2022 und Mai 2026 insgesamt 82 Förderanträge von Start-ups gestellt.
Noch umfangreicher fällt die Bilanz des Eigenkapitalfonds Brandenburg aus. Seit Oktober 2023 wurden 60 Unternehmen mit einem Gesamtvolumen von 43,5 Millionen Euro finanziert.
Darunter befinden sich sechs Frühphasenfinanzierungen, 34 Wachstumsfinanzierungen sowie 22 Mezzanine-Finanzierungen. Die Zahlen zeigen, dass sich das Förderangebot längst nicht mehr ausschließlich an Unternehmensgründungen richtet, sondern auch den Ausbau etablierter junger Firmen unterstützt.
Insgesamt mehr als 170 Millionen Euro Fördervolumen
Für die aktuelle EU-Förderperiode bis 2027 stehen erhebliche Finanzmittel bereit.
Rund 44 Millionen Euro fließen in das Programm „Gründen in Brandenburg“. Weitere 11 Millionen Euro stehen für „Gründung innovativ“ zur Verfügung.
Der Eigenkapitalfonds Brandenburg verfügt über rund 101 Millionen Euro, während zusätzlich 17,7 Millionen Euro in den Betrieb der landesweiten Start-up-Zentren investiert werden.
Damit summiert sich das Fördervolumen für Gründungen und junge Wachstumsunternehmen auf deutlich mehr als 170 Millionen Euro.
Hochschulen sollen mehr Ausgründungen hervorbringen
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Wissenstransfer aus Wissenschaft und Forschung.
Die Landesregierung möchte künftig mehr Forschungsergebnisse in marktfähige Produkte überführen und wissenschaftliche Ausgründungen gezielt unterstützen.
Dabei arbeiten Hochschulen, Transferstellen, Gründerzentren und Förderprogramme eng zusammen. Ergänzend kommen Bundesprogramme wie EXIST zum Einsatz, die innovative Hochschulausgründungen fördern.
Durch die Kombination aus wissenschaftlicher Expertise, Coaching und Finanzierung soll Brandenburg langfristig mehr technologieorientierte Unternehmen hervorbringen.
Mehr internationale Investoren und Venture Capital
Neben der Finanzierung spielt auch die Vernetzung mit Investoren eine wichtige Rolle.
Die Landesregierung möchte den Zugang zu Business Angels, Venture-Capital-Gesellschaften und internationalen Kapitalgebern weiter verbessern. Die Start-up-Zentren sollen hierfür gezielt Kontakte herstellen und junge Unternehmen auf Gespräche mit Investoren vorbereiten.
Darüber hinaus sollen Außenwirtschaftsprogramme und internationale Kooperationen dazu beitragen, Brandenburger Start-ups schneller auf ausländische Märkte zu führen und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.
Brandenburg will sich als Innovationsstandort etablieren
Mit der Gründungsoffensive verfolgt Brandenburg eine langfristige Strategie. Statt einzelne Förderprogramme isoliert anzubieten, setzt das Land auf ein eng verzahntes Netzwerk aus Finanzierung, Beratung, Forschung, Infrastruktur und internationaler Vernetzung.
Sollte diese Strategie aufgehen, könnte Brandenburg seine Rolle als wachsender Innovationsstandort in der Hauptstadtregion weiter ausbauen. Angesichts der hohen Fördersummen, der neuen Start-up-Zentren und der Konzentration auf Zukunftstechnologien versucht das Land, sich im Wettbewerb um Gründer, Investoren und innovative Unternehmen deutlich stärker zu positionieren als noch vor wenigen Jahren.


