Deutschland zählt so viele Milliarden-Startups wie nie zuvor
Die deutsche Gründerszene erlebt bei hoch bewerteten Startups einen deutlichen Schub. Bis Ende September wurden in diesem Jahr zehn weitere Unternehmen mit mindestens einer Milliarde Euro bewertet.
Das geht aus dem Deutschen Startup-Monitor hervor.
So viele neue Milliarden-Startups innerhalb eines Jahres gab es demnach zuletzt 2021.
Durch die Neuzugänge steigt ihre Gesamtzahl in Deutschland auf 39 Unternehmen – ein neuer Rekordwert.
Was bedeutet eine Milliardenbewertung?
Unternehmen mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro werden in der Startup-Welt häufig als „Unicorns“ beziehungsweise Einhörner bezeichnet.
Dabei ist allerdings ein wichtiger Unterschied zu beachten: Eine Unternehmensbewertung von einer Milliarde Euro bedeutet nicht, dass das Startup eine Milliarde Euro Umsatz erwirtschaftet, eine Milliarde Euro auf dem Bankkonto besitzt oder tatsächlich bereits für diesen Betrag verkauft wurde.
Die Bewertung gibt vielmehr an, welchen rechnerischen Unternehmenswert Investoren dem Startup beispielsweise im Zusammenhang mit einer Finanzierungsrunde beimessen.
Gerade bei jungen Wachstumsunternehmen können solche Bewertungen deshalb erheblich von klassischen wirtschaftlichen Kennzahlen wie Umsatz oder Gewinn abweichen.
Künstliche Intelligenz treibt die Bewertungen
Einer der wichtigsten Treiber der aktuellen Entwicklung ist nach Angaben des Startup-Verbands der Boom rund um Künstliche Intelligenz.
Investoren setzen große Hoffnungen in Unternehmen, die neue KI-Technologien entwickeln oder bestehende Geschäftsmodelle mithilfe künstlicher Intelligenz verändern wollen.
Damit erreicht die weltweite KI-Investitionswelle auch die deutsche Startup-Landschaft.
Der Rekord bei den Milliardenbewertungen zeigt, dass zumindest einzelne deutsche Technologieunternehmen erhebliche Mengen an Kapital beziehungsweise hohe Bewertungen anziehen können.
Auch Rüstungs-Startups profitieren
Daneben nennt der Verband einen zweiten Bereich, der derzeit besonders stark von Investitionen profitiert: Rüstungsunternehmen.
Hohe Investitionen in diesen Sektor tragen nach Verbandsangaben dazu bei, dass weitere deutsche Startups Milliardenbewertungen erreichen.
Damit verändert sich zugleich die Zusammensetzung der besonders hoch bewerteten deutschen Gründerszene.
Während der Startup-Boom früher stark mit Bereichen wie Onlinehandel, Finanztechnologie oder Software verbunden wurde, spielen inzwischen KI sowie Unternehmen aus dem Verteidigungsbereich eine wichtige Rolle.
Zehn neue Milliarden-Startups in neun Monaten
Bemerkenswert ist auch das Tempo.
Bereits bis Ende September kamen zehn neue Unternehmen hinzu, die die Schwelle von einer Milliarde Euro Bewertung erreichten.
Bei insgesamt 39 Milliarden-Startups bedeutet das rechnerisch, dass mehr als ein Viertel dieser Unternehmen allein im laufenden Jahr neu in diese Bewertungskategorie gekommen ist.
Für die deutsche Startup-Szene ist das zunächst ein Signal dafür, dass Investoren weiterhin bereit sind, erhebliche Summen in ausgewählte Wachstumsunternehmen zu investieren.
Rekord bedeutet nicht automatisch wirtschaftlichen Erfolg
Der neue Höchststand sollte allerdings nicht mit einem ebenso starken Anstieg von Gewinnen oder Umsätzen gleichgesetzt werden.
Eine hohe Bewertung ist zunächst eine Einschätzung des Unternehmenswertes.
Ob ein Startup diesen Wert langfristig rechtfertigen kann, hängt von seiner weiteren Entwicklung ab. Geschäftsmodell, Wachstum, Finanzierung und letztlich auch die Fähigkeit, nachhaltig Geld zu verdienen, bleiben entscheidend.
Bewertungen können zudem steigen – aber ebenso wieder deutlich sinken.
Die Zahl von 39 Milliarden-Startups sagt deshalb vor allem etwas über die Bewertungen besonders erfolgreicher beziehungsweise von Investoren stark nachgefragter Unternehmen aus. Sie erlaubt für sich genommen keine Aussage darüber, wie wirtschaftlich erfolgreich die gesamte deutsche Startup-Landschaft ist.
Deutschland erreicht dennoch einen neuen Höchststand
Unabhängig davon ist die Entwicklung bemerkenswert.
Mit 39 Startups mit einer Bewertung von mindestens einer Milliarde Euro erreicht Deutschland nach den Angaben des Deutschen Startup-Monitors einen neuen Rekord.
Allein zehn davon kamen bis Ende September dieses Jahres hinzu – so viele wie seit 2021 nicht mehr.
Besonders auffällig ist, wo das Kapital derzeit hinfließt: Künstliche Intelligenz und Rüstungsunternehmen gehören nach Angaben des Verbands zu den wesentlichen Treibern des aktuellen Milliardenbooms.
Damit zeigt der Rekord zugleich, welche Technologien und Branchen Investoren derzeit besonders hoch bewerten. Ob aus den Milliardenbewertungen langfristig ebenso erfolgreiche und profitable Unternehmen entstehen, ist eine andere Frage.


