Deutschlands Startup-Szene meldet sich mit Milliardenambitionen zurück
Die deutsche Startup-Szene hat in der vergangenen Woche gleich mehrere Signale ausgesendet, die zeigen, dass sich das Ökosystem trotz der schwachen gesamtwirtschaftlichen Lage erstaunlich robust entwickelt.
Besonders deutlich wird das im Deutschen Startup Monitor 2026. Bereits bis September flossen rund acht Milliarden Euro in deutsche Startups – damit wurde der gesamte Wert des Vorjahres von 7,5 Milliarden Euro schon vor dem Schlussquartal übertroffen. Gleichzeitig entstanden allein 2026 zehn neue Unicorns. Insgesamt zählt Deutschland damit inzwischen 39 nicht börsennotierte Technologieunternehmen mit Milliardenbewertung.
Allerdings verteilt sich das Geld keineswegs gleichmäßig. Große Finanzierungsrunden insbesondere in Deeptech und DefenceTech treiben die Statistik. Die Zahl der Finanzierungsrunden liegt dagegen weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2021. Besonders schwierig bleibt die Situation für junge Unternehmen bei ihren ersten institutionellen Finanzierungen.
Ein Beispiel für die neue Größenordnung deutscher Deeptech-Finanzierungen liefert Reverion aus dem bayerischen Eresing. Das Energieunternehmen sammelte 175 Millionen Dollar beziehungsweise rund 154 Millionen Euro in einer Series-B-Runde ein. Das Unternehmen entwickelt reversible Festoxid-Brennstoffzellen-Kraftwerke. Mit dem Kapital soll unter anderem eine neue Produktionsstätte in Deutschland entstehen. Die geplante Jahreskapazität liegt bei 250 Megawatt, perspektivisch könnten bis zu 800 Arbeitsplätze entstehen.
Auch künstliche Intelligenz bleibt ein Kapitalmagnet. Das Berliner ConTech Kuro erhielt zehn Millionen Euro. Das Unternehmen entwickelt KI-Software für Generalunternehmer und will Prozesse von Kalkulation und Beschaffung bis zu Buchhaltung und Compliance automatisieren.
Everphone wiederum sicherte sich eine neue Finanzierung über 15 Millionen Euro von Commerzbank und KfW. Das Berliner Unternehmen vermietet Smartphones, Laptops und andere Geräte an Unternehmen. Bemerkenswert ist, dass Everphone nach eigenen Angaben im August erstmals ein positives Ergebnis vor Steuern erreichte.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis dieser Woche lautet deshalb: Deutschland kann inzwischen große Technologieunternehmen hervorbringen und erhebliches Kapital mobilisieren. Das Problem beginnt zunehmend später. 62 Prozent der deutschen Startups mit Börsenplänen würden laut Startup Monitor eine US-Börse bevorzugen, lediglich 27 Prozent eine deutsche Börse.
Deutschland produziert also immer mehr vielversprechende Technologieunternehmen. Die entscheidende Frage lautet inzwischen, ob es gelingt, diese Unternehmen auch langfristig in Europa zu finanzieren und an den Kapitalmarkt zu führen.


