14. August 2026

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Interviews

„KI kann deutschen Start-ups helfen, schneller zu wachsen – ohne ihre Kosten explodieren zu lassen“

„KI kann deutschen Start-ups helfen, schneller zu wachsen – ohne ihre Kosten explodieren zu lassen“

Interview mit Tim Schlautmann, CEO von Marketport aus Warendorf

Künstliche Intelligenz verändert die deutsche Gründerszene. Gerade Start-ups müssen mit begrenztem Kapital, kleinen Teams und hohem Zeitdruck Produkte entwickeln, Kunden gewinnen und neue Märkte erschließen. Gleichzeitig fehlen häufig die personellen Ressourcen, um jede Aufgabe dauerhaft mit zusätzlichen Beschäftigten abzudecken.

Das Unternehmen Marketport aus Warendorf hat den KI-Trend bereits früh erkannt. Heute versteht es sich als KI-Agentur, die maßgeschneiderte Lösungen für Start-ups und wachsende Unternehmen entwickelt. Dabei geht es nicht um künstliche Intelligenz, die lediglich auf einem Bildschirm beeindruckende Texte erzeugt. Die Systeme sollen in reale Geschäftsabläufe integriert werden, Mitarbeiter entlasten, Kosten senken und Wachstum ermöglichen.

Im Interview erklärt CEO Tim Schlautmann, wie deutsche Start-ups künstliche Intelligenz praktisch einsetzen können und warum eine gute KI-Strategie zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil werden kann.

Herr Schlautmann, warum ist künstliche Intelligenz gerade für Start-ups so interessant?

Start-ups stehen häufig vor einem grundsätzlichen Problem: Sie wollen schnell wachsen, verfügen aber nur über begrenztes Kapital und ein kleines Team. Jeder Mitarbeiter übernimmt mehrere Aufgaben gleichzeitig. Dadurch geht viel Zeit für wiederkehrende Tätigkeiten verloren, obwohl sie eigentlich für Produktentwicklung, Vertrieb oder Kundenkontakte gebraucht wird.

Künstliche Intelligenz kann genau an dieser Stelle unterstützen. Sie übernimmt vorbereitende und standardisierbare Aufgaben, strukturiert Informationen und beschleunigt Abläufe. So kann ein kleines Team Leistungen erbringen, für die früher wesentlich mehr Personal notwendig gewesen wäre.

Marketport hat sich bereits früh mit künstlicher Intelligenz beschäftigt. Was hat Sie damals überzeugt?

Wir haben früh erkannt, dass KI nicht nur ein weiteres digitales Werkzeug ist. Sie verändert grundlegend, wie Unternehmen Informationen verarbeiten, Kunden betreuen und Entscheidungen vorbereiten.

Viele Unternehmen betrachteten KI zunächst als interessante Spielerei. Für uns war jedoch schnell klar, dass daraus konkrete Anwendungen entstehen würden, die Arbeitsabläufe vereinfachen und neue Geschäftsmodelle ermöglichen.

Deshalb haben wir nicht erst begonnen, uns mit KI zu beschäftigen, als das Thema überall in den Medien auftauchte. Wir konnten bereits vorher Erfahrungen sammeln und untersuchen, wie intelligente Systeme sinnvoll in Unternehmen eingesetzt werden können.

Heute versteht sich Marketport als KI-Agentur. Was bedeutet das für Ihre Kunden?

Wir bieten keine Standardlösung an, die für jedes Start-up angeblich gleichermaßen geeignet ist. Ein Softwareunternehmen hat andere Anforderungen als ein Onlinehändler, ein Fintech oder ein junges Industrieunternehmen.

Deshalb analysieren wir zunächst das Geschäftsmodell und die vorhandenen Prozesse. Wo entstehen Engpässe? Welche Aufgaben wiederholen sich? Welche Tätigkeiten kosten besonders viel Zeit? Wo fehlen Mitarbeiter? Und welche Abläufe verhindern derzeit weiteres Wachstum?

Auf dieser Grundlage entwickeln wir eine individuelle KI-Lösung. Anschließend unterstützen wir das Start-up bei der technischen Einführung und bei der praktischen Anwendung.

Viele Gründer nutzen bereits Chatbots und bekannte KI-Programme. Reicht das nicht aus?

Solche Programme sind ein guter Einstieg. Sie zeigen, welche Möglichkeiten künstliche Intelligenz bietet. Ein Zugang zu einem Chatbot ist aber noch keine KI-Strategie.

Eine allgemeine KI kennt zunächst weder das Geschäftsmodell noch die Produkte, internen Abläufe oder Qualitätsanforderungen eines Start-ups. Sie ist nicht automatisch mit dem Kundenservice, dem Vertrieb, dem Wissensmanagement oder der Dokumentenablage verbunden.

Der eigentliche Nutzen entsteht erst, wenn die KI in konkrete Prozesse integriert wird. Sie muss dort arbeiten, wo im Unternehmen tatsächlich Zeit und Geld verloren gehen.

Wie könnte ein Start-up eine solche Lösung konkret einsetzen?

Ein junges Unternehmen kann beispielsweise eingehende Kundenanfragen automatisch erfassen, thematisch einordnen und an die richtige Person weiterleiten lassen. Häufig wiederkehrende Fragen können direkt beantwortet werden, während komplexe Fälle bei einem Mitarbeiter landen.

Im Vertrieb kann KI potenzielle Kunden analysieren, Gespräche vorbereiten, Angebote strukturieren und bei der Nachbearbeitung unterstützen.

Im Marketing lassen sich Inhalte planen, Zielgruppen auswerten und Kampagnen schneller anpassen. Bei der Produktentwicklung kann KI Kundenfeedback zusammenfassen, Probleme erkennen und Anforderungen strukturieren.

Auch in der Verwaltung gibt es viele Möglichkeiten. Dokumente können automatisch ausgewertet, Daten übertragen und interne Informationen leichter auffindbar gemacht werden.

Wie hilft KI dabei, Kosten zu senken?

Der größte Kostenfaktor ist in vielen Start-ups nicht eine einzelne Software, sondern die Arbeitszeit des Teams. Wenn hoch qualifizierte Mitarbeiter einen großen Teil ihres Tages mit manueller Dateneingabe, wiederkehrenden E-Mails oder der Suche nach Informationen verbringen, ist das teuer.

KI kann diese Arbeiten vorbereiten oder teilweise automatisieren. Dadurch werden Aufgaben schneller erledigt und Fehler reduziert. Die Mitarbeiter können sich auf Tätigkeiten konzentrieren, die Kreativität, Erfahrung, Verantwortung und persönliche Kommunikation erfordern.

Das bedeutet nicht, dass Menschen überflüssig werden. Es bedeutet, dass die vorhandenen Beschäftigten produktiver arbeiten können.

Kann künstliche Intelligenz Start-ups auch beim Wachstum unterstützen?

Gerade dabei kann sie besonders wertvoll sein.

Viele Start-ups gewinnen neue Kunden, geraten dann aber operativ unter Druck. Plötzlich müssen mehr Anfragen beantwortet, mehr Angebote erstellt und mehr Prozesse koordiniert werden. Normalerweise müsste das Unternehmen sofort zusätzliches Personal einstellen.

Doch qualifizierte Bewerber sind in Deutschland nicht immer kurzfristig verfügbar. Hinzu kommt, dass sich junge Unternehmen nicht jede zusätzliche Stelle sofort leisten können.

Mit intelligenten Prozessen kann ein Start-up mehr Kunden und Aufträge bearbeiten, ohne dass die Zahl der Mitarbeiter im gleichen Verhältnis wachsen muss. Das macht eine Expansion kontrollierbarer und wirtschaftlich sicherer.

Ist KI also eine Antwort auf den Fachkräftemangel?

Sie ist zumindest ein wichtiger Teil der Antwort.

Künstliche Intelligenz kann keine erfahrenen Fachkräfte vollständig ersetzen. Sie kann jedoch dafür sorgen, dass diese Fachkräfte weniger Zeit für Routineaufgaben aufwenden müssen.

Ein kleines Team kann dadurch mehr leisten. Gleichzeitig können neue Mitarbeiter schneller eingearbeitet werden, wenn Unternehmenswissen strukturiert und über ein intelligentes System zugänglich gemacht wird.

Das ist gerade für Start-ups entscheidend, weil dort viel Wissen bei einzelnen Gründern oder Schlüsselpersonen liegt. Fällt eine solche Person aus, können wichtige Informationen und Abläufe schnell verloren gehen.

Wann sollte sich ein Start-up mit KI beschäftigen?

Am besten nicht erst dann, wenn das Unternehmen bereits unter seinen eigenen Prozessen zusammenbricht.

Schon in einer frühen Wachstumsphase lohnt es sich, Abläufe so aufzubauen, dass sie später erweitert und teilweise automatisiert werden können. Dabei muss nicht sofort das gesamte Unternehmen verändert werden.

Wir empfehlen, mit einem klar begrenzten Anwendungsfall zu beginnen. Das kann beispielsweise die Bearbeitung von Kundenanfragen, die Vorbereitung von Angeboten oder die Auswertung von Dokumenten sein.

Wenn die Lösung zuverlässig funktioniert und einen messbaren Nutzen bringt, kann sie schrittweise erweitert werden.

Welche Fehler beobachten Sie beim Einsatz von KI?

Ein häufiger Fehler besteht darin, KI einzuführen, weil sie gerade modern ist. Dann wird eine Software gekauft, ohne vorher zu klären, welches konkrete Problem damit gelöst werden soll.

Ein weiterer Fehler ist, die Mitarbeiter nicht einzubeziehen. Die beste technische Lösung bringt wenig, wenn das Team sie nicht versteht oder ihr nicht vertraut.

Auch Datenschutz, Zugriffsrechte und die Qualität der verwendeten Daten müssen von Anfang an berücksichtigt werden. Gerade deutsche Start-ups sollten darauf achten, welche Informationen verarbeitet werden und wo diese gespeichert sind.

KI-Projekte brauchen deshalb neben Begeisterung auch klare Regeln und Verantwortlichkeiten.

Was unterscheidet Marketport von einem klassischen Softwareanbieter?

Ein Softwareanbieter liefert in der Regel ein fertiges Produkt. Das Start-up muss anschließend selbst herausfinden, wie es dieses Produkt in seine Abläufe integriert.

Wir begleiten den gesamten Prozess. Wir analysieren die Ausgangslage, identifizieren geeignete Anwendungsfälle und entwickeln eine passende Lösung. Danach unterstützen wir bei der Einführung, der Schulung und der Optimierung.

Unser Ziel ist nicht, möglichst viel Technik einzusetzen. Unser Ziel ist eine Lösung, die im Arbeitsalltag funktioniert und einen nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen erzeugt.

Können auch Start-ups ohne eigene IT-Abteilung KI einsetzen?

Ja. Gerade diese Unternehmen benötigen jedoch einen Partner, der technische Möglichkeiten verständlich übersetzt.

Gründer müssen nicht selbst zu KI-Entwicklern werden. Sie sollten aber verstehen, welches Problem gelöst wird, welche Daten genutzt werden und wie sich der Erfolg messen lässt.

Marketport übernimmt die technische Begleitung und entwickelt die Lösung gemeinsam mit dem Unternehmen. Dadurch kann sich das Gründerteam weiterhin auf sein Produkt, seine Kunden und sein Wachstum konzentrieren.

Welche Bedeutung wird KI künftig für den deutschen Start-up-Standort haben?

Künstliche Intelligenz wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Deutsche Start-ups konkurrieren nicht nur untereinander, sondern mit jungen Unternehmen aus den USA, Asien und anderen europäischen Ländern.

Wer Abläufe früh automatisiert, kann schneller arbeiten, günstiger skalieren und neue Märkte mit einem kleineren Team erschließen. Wer das Thema ignoriert, riskiert dagegen, dass Wettbewerber dieselben Leistungen schneller und zu niedrigeren Kosten anbieten.

Deutschland verfügt über starke Entwickler, innovative Gründer und zahlreiche mittelständische Unternehmen als mögliche Kunden. Entscheidend wird sein, technologische Möglichkeiten zügig in praktische Geschäftsmodelle zu übersetzen.

Welche Botschaft geben Sie deutschen Gründerinnen und Gründern mit?

Man sollte KI weder überschätzen noch unterschätzen.

Sie löst nicht automatisch jedes geschäftliche Problem und ersetzt keine gute Idee, kein überzeugendes Produkt und keinen funktionierenden Vertrieb. Richtig eingesetzt kann sie jedoch entscheidend dazu beitragen, ein Unternehmen effizienter und skalierbarer zu machen.

Gründer sollten deshalb nicht fragen, welches KI-Programm sie kaufen müssen. Sie sollten fragen, an welcher Stelle ihr Unternehmen heute unnötig Zeit, Geld oder Wachstumsmöglichkeiten verliert.

Genau dort sollte ein sinnvolles KI-Projekt beginnen.

Herr Schlautmann, wie lässt sich der Anspruch von Marketport zusammenfassen?

Wir bringen künstliche Intelligenz aus der Theorie in den konkreten Arbeitsalltag deutscher Start-ups. Sie soll nicht nur auf dem Bildschirm gut aussehen, sondern messbar Kosten senken, Mitarbeiter entlasten und nachhaltiges Wachstum ermöglichen.

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