Nach dem BIG BANG KI Festival: Berlin diskutiert nicht mehr darüber, ob KI kommt – sondern was sie mit uns macht
Zwei Tage KI, rund 11.000 Teilnehmer und mehr als 350 angekündigte Speaker: Das BIG BANG KI Festival hat am 16. und 17. September die STATION Berlin in ein großes Schaufenster der deutschen KI-Wirtschaft verwandelt. Nach dem Festival bleibt vor allem ein Eindruck: Die Diskussion hat sich verändert. Es geht längst nicht mehr darum, ob Unternehmen künstliche Intelligenz einsetzen – sondern wie schnell, wie sicher und mit welchen Folgen.
Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Technologiebranche trafen in Berlin aufeinander. Zu den angekündigten beziehungsweise anwesenden Gästen gehörten Spitzenvertreter aus Politik und Wirtschaft sowie Unternehmen wie OpenAI, Anthropic, Google, NVIDIA, SAP und Deutsche Telekom.
Dabei ging es nicht nur um das nächste Sprachmodell.
Unternehmensanwendungen, Produktion, Vertrieb, Medizin, Medien, Nachhaltigkeit, Quantencomputing und die Folgen von KI für Arbeitsplätze bestimmten das Programm.
Ausgerechnet ein KI-Festival fordert eine „KI-Pause“
Für die vielleicht überraschendste Botschaft sorgte Festival-Host Jens de Buhr.
Er forderte angesichts der Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung eine mehrmonatige „KI-Pause“.
Gemeint war keine dauerhafte Abkehr von künstlicher Intelligenz. Unternehmen, Politik und Gesellschaft sollten vielmehr Zeit erhalten, die rasanten Veränderungen zu verarbeiten und Regeln sowie Sicherheitsmechanismen nachzuziehen.
Gleichzeitig forderten die Veranstalter stärkere Investitionen in KI-Sicherheit und verbindlichere Regeln für besonders leistungsfähige Systeme.
Damit wurde ausgerechnet auf einer Veranstaltung, auf der sich vieles um die wirtschaftlichen Chancen von KI drehte, auch über die Grenzen des Tempos gesprochen.
Aus Green AI Hub wird Circular AI Hub
Eine konkrete Neuigkeit kam vom bisherigen Green AI Hub.
Auf dem Festival wurde seine Weiterentwicklung zum Circular AI Hub vorgestellt.
Künftig soll stärker untersucht und demonstriert werden, wie künstliche Intelligenz bei Kreislaufwirtschaft, Wiederverwendung von Materialien und Ressourceneffizienz helfen kann.
Anhand konkreter Demonstratoren wurde gezeigt, wie KI beispielsweise Informationen aus digitalen Produktpässen nutzbar machen oder Unternehmen beim effizienteren Materialeinsatz unterstützen kann.
Das ist ein interessanter Gegenentwurf zur üblichen KI-Debatte.
Nicht:
Wie ersetzt KI den nächsten Büroprozess?
Sondern:
Wie kann KI verhindern, dass Rohstoffe überhaupt verschwendet werden?
Vom Experiment zur Infrastruktur
Das vielleicht wichtigste Signal aus Berlin ist jedoch größer als eine einzelne Präsentation.
KI wird zunehmend wie Infrastruktur behandelt.
Unternehmen diskutieren nicht mehr ausschließlich über Chatbots und erste Pilotprojekte, sondern darüber, wie KI in Buchhaltung, Produktion, Kundenservice, Forschung, Logistik und Management dauerhaft eingebaut werden kann.
Damit verschiebt sich auch die entscheidende Frage.
2023 lautete sie:
„Was kann ChatGPT?“
2026 lautet sie zunehmend:
„Was passiert mit meinem Unternehmen, wenn der Wettbewerber KI schneller integriert als ich?“
Genau diese Mischung aus Aufbruch und Unsicherheit war beim BIG BANG KI Festival spürbar.
Und nach zwei Tagen Berlin lässt sich zumindest eines festhalten:
Der KI-Hype ist nicht verschwunden. Er beginnt gerade, erwachsen zu werden.


