14. August 2026

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QAI Ventures plant neuen Fonds für Quantencomputing und globale Recheninfrastruktur

QAI Ventures plant neuen Fonds für Quantencomputing und globale Recheninfrastruktur

Die Schweizer QAI Ventures AG positioniert sich mit einem neuen Opportunity Fund im Wachstumsmarkt Advanced Computing. Der Fonds soll in Unternehmen aus den Bereichen Quantencomputing, Hochleistungsrechnen, Halbleiter und verteilte Cloud-Infrastrukturen investieren. Die Präsentation zeigt ambitionierte Renditeziele – macht aber zugleich deutlich, dass es sich um ein spekulatives Investment mit erheblichen Risiken handelt.

Die QAI Ventures AG bereitet nach eigener Darstellung einen neuen Fonds für Investitionen in die nächste Generation globaler Recheninfrastruktur vor. Der unter dem Namen „QAI 2 Fund, Series A–C Opportunity Fund“ vorgestellte Fonds soll Unternehmen finanzieren, die an der Schnittstelle von Quantencomputing, High Performance Computing, Halbleitertechnologie sowie Cloud-, Edge- und Distributed-Systems wachsen. Die Präsentation steht unter dem Leitmotiv, „category leaders“ beim Ausbau globaler Compute-Infrastruktur zu unterstützen.

QAI Ventures sieht den Markt an einem Wendepunkt. In der Präsentation wird argumentiert, dass künstliche Intelligenz, Quantencomputing und neue Rechenarchitekturen zunehmend ineinandergreifen. Als strukturelle Treiber nennt QAI unter anderem ein erwartetes starkes Marktwachstum im Quantencomputing, umfangreiche staatliche Investitionen, steigendes Engagement großer Technologieunternehmen sowie konkrete Anwendungsfälle in Bereichen wie Medikamentenentwicklung, Cybersicherheit, Optimierung und Logistik.

Der Fonds soll laut Präsentation ein Zielvolumen von 150 Millionen US-Dollar erreichen. Geplant sind Beteiligungen an etwa 15 Unternehmen in den Phasen Series A bis Series C. Geografisch will QAI in den USA, Europa und dem asiatisch-pazifischen Raum investieren. Die Investitionsperiode ist für die Jahre 2026 bis 2028 vorgesehen. Als Zielrendite nennt die Präsentation 20 Prozent Netto-IRR sowie einen angestrebten Netto-Multiple von etwa dem Drei- bis Vierfachen. Bislang seien 30 Millionen US-Dollar „soft-committed“, ein erstes Closing werde für das dritte Quartal 2026 angestrebt.

Der strategische Ansatz unterscheidet sich nach Darstellung des Unternehmens von klassischen Growth-Fonds. QAI will nicht nur Kapital bereitstellen, sondern eine eigene Kommerzialisierungsplattform einsetzen. Diese soll Zugang zu Universitäten, Laboren und frühen Technologie-Ökosystemen schaffen, Unternehmen validieren und später über Unternehmenspartnerschaften bei Umsatzwachstum und Exit-Pfaden unterstützen.

Diese Verbindung aus Investment, Plattform und Marktzugang beschreibt QAI als eigentlichen Wertschöpfungsmotor. Die Präsentation spricht von einem wiederholbaren System, das Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien-Pazifik global skalieren soll. Zu den Bausteinen gehören Scouting und Sourcing, Venture Building, Corporate Integration sowie Zugang zu Anschlussfinanzierungen und Exit-Möglichkeiten.

Als Beleg für die eigene Leistungsfähigkeit verweist QAI auf den Vorgängerfonds. Der QAI 1 Fund habe mehr als 30 Investments getätigt, zwei Exits in weniger als zwei Jahren erzielt und einen TVPI von 1,45x erreicht. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass diese Bewertung noch früh und überwiegend nicht realisiert sei. Portfoliounternehmen hätten mehr als 250 Millionen US-Dollar an Folgefinanzierungen von Investoren erhalten, darunter Beteiligungen von IBM, GitHub, Toshiba, der Europäischen Investitionsbank und weiteren institutionellen Investoren.

Das Investmentteam wird in der Präsentation mit drei zentralen Personen vorgestellt: Alexandra Beckstein, Michael A. Jackson und Dr. Axel Thierauf. Beckstein wird mit der Leitung eines ersten Fonds über 20 Millionen Schweizer Franken sowie Projekten im Volumen von mehr als 700 Millionen Schweizer Franken in Quantencomputing und KI beschrieben. Jackson wird mit einem 100-fachen Return bei UiPath, mehr als drei Milliarden US-Dollar Direktinvestitionen und mehr als 50 realisierten Exits genannt. Thierauf wird unter anderem mit einem 80-fachen Return bei BioNTech, mehr als 100 M&A-Transaktionen und früherer Funktion bei IQM Quantum Computers dargestellt.

QAI sieht den eigenen Vorteil vor allem im frühen Zugang zu Technologieunternehmen. Die Präsentation spricht von „proprietary dealflow“, also nicht allgemein zugänglichen Investitionsmöglichkeiten vor institutionellen Finanzierungsrunden. Im Quantenbereich sei die Beteiligung von QAI auf dem Cap Table inzwischen ein Signal; Deals würden nicht mehr nur aktiv gesucht, sondern kämen auf QAI zu. Als Beispiele werden unter anderem Multiverse, Quanscient, ZuriQ, Semiqon und Xen Quantum genannt.

Die Investmentstrategie zielt auf sogenannte „Scaling Winners“ im Frontier-Computing-Markt. QAI will in Unternehmen mit bewährter Technologie, erster kommerzieller Traktion und klarem Skalierungspfad investieren. Angestrebt werden Lead- oder Co-Lead-Rollen in Finanzierungsrunden, bedeutende Beteiligungsquoten und aktive Unterstützung bis zu einem späteren Exit. Die geplante Ticketgröße liegt laut Präsentation bei acht bis zwölf Millionen US-Dollar.

Die Präsentation setzt dabei stark auf den Vergleich mit früheren Technologiesprüngen. Besonders pointiert ist die Aussage: „You are in 2016 for Quantum. The difference is you know it.“ Der Verweis auf Nvidia soll verdeutlichen, dass Infrastrukturtrends zunächst unterschätzt werden können, bevor sie später institutionell entdeckt und deutlich höher bewertet werden. QAI argumentiert, die entscheidende Frage sei nicht mehr, ob Quantencomputing institutionell werde, sondern wer sich rechtzeitig Beteiligungen sichere.

Trotz der ambitionierten Wachstumsstory enthält die Präsentation deutliche Einschränkungen. Sie richtet sich ausdrücklich nur an professionelle Investoren. Zudem wird klargestellt, dass der Fonds zum Zeitpunkt der Präsentation noch nicht gegründet war und es weder eine Garantie für den Start des Fonds noch für das Erreichen der genannten Renditeziele gibt.

Auch rechtlich ist die Präsentation nicht als verbindliches Angebotsdokument zu verstehen. Sie wird als vorläufige Diskussionsgrundlage bezeichnet und soll nicht Grundlage einer Investitionsentscheidung sein. Maßgeblich seien erst die späteren Fondsunterlagen, insbesondere Limited Partnership Agreement und Private Placement Memorandum.

Für Anleger entscheidend ist zudem der Risikohinweis am Ende der Unterlage. Dort heißt es ausdrücklich, dass eine Investition in den Fonds spekulativ sei und ein hohes Risiko bis hin zum Verlust des gesamten eingesetzten Kapitals beinhalte. Rückgabe- und Übertragungsmöglichkeiten der Fondsanteile seien eingeschränkt, ein Sekundärmarkt bestehe nicht und werde auch nicht erwartet. Investoren sollten nur investieren, wenn sie bereit seien, ihr Investment ganz oder zu einem wesentlichen Teil zu verlieren.

Damit steht der geplante QAI-2-Fonds exemplarisch für eine neue Phase im Deep-Tech-Kapitalmarkt. Quantencomputing, KI-Infrastruktur und spezialisierte Halbleiter gelten als strategische Schlüsseltechnologien. Gleichzeitig bleiben Geschäftsmodelle in diesem Bereich kapitalintensiv, technologisch unsicher und stark abhängig von Marktzyklen, Anschlussfinanzierungen und späteren Exit-Möglichkeiten.

QAI Ventures versucht, diese Risiken durch Spezialisierung, frühen Zugang, operative Unterstützung und Unternehmenspartnerschaften zu reduzieren. Ob daraus tatsächlich überdurchschnittliche Renditen entstehen, lässt sich auf Basis der Präsentation jedoch nicht beurteilen. Die Unterlage zeichnet eine überzeugende Wachstumsstory – bestätigt aber zugleich, dass Anleger es mit einem hochriskanten, illiquiden und nur für professionelle Investoren geeigneten Venture-Capital-Produkt zu tun hätten.

Der Fonds ist damit kein klassisches Anlageprodukt für breite Anlegerkreise, sondern ein spezialisiertes Wagniskapitalvehikel für Investoren, die hohe technologische Chancen suchen, lange Kapitalbindungen akzeptieren und den möglichen Totalverlust wirtschaftlich tragen können.

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