14. August 2026

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Start-ups Europa

Schleswig-Holstein setzt auf die Gründer von morgen: Mit Milliardenmärkten im Blick will das Land zum Start-up-Hotspot des Nordens werden

Schleswig-Holstein setzt auf die Gründer von morgen: Mit Milliardenmärkten im Blick will das Land zum Start-up-Hotspot des Nordens werden

Start-ups gelten als Motor für Innovation, Digitalisierung und wirtschaftlichen Wandel. Schleswig-Holstein will diese Entwicklung künftig noch stärker nutzen und den Norden als attraktiven Standort für junge Unternehmen etablieren. Das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus (MWVATT) setzt dabei auf eine Kombination aus Förderprogrammen, Beteiligungskapital, Hochschulkooperationen und internationalen Netzwerken. Besonders Zukunftsbranchen wie Künstliche Intelligenz, Wasserstoff, maritime Technologien, Life Sciences und GreenTech stehen im Mittelpunkt der langfristigen Strategie. Ziel ist es, den Innovationsstandort Schleswig-Holstein bis 2035 national und international deutlich sichtbarer zu machen.

Die wirtschaftliche Bedeutung von Start-ups wächst seit Jahren kontinuierlich. Junge Unternehmen entwickeln neue Geschäftsmodelle, treiben technologische Innovationen voran und schaffen hochwertige Arbeitsplätze. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Produkte und Dienstleistungen überführt werden.

Vor diesem Hintergrund verfolgt Schleswig-Holstein das Ziel, optimale Rahmenbedingungen für Gründerinnen und Gründer zu schaffen und das eigene Startup-Ökosystem konsequent auszubauen.

Vielfältige Förderangebote für Gründer

Anders als häufig angenommen beschränkt sich die Förderung nicht auf einzelne Zuschüsse.

Das Land setzt vielmehr auf ein breit gefächertes Instrumentarium aus Stipendien, Beteiligungsfinanzierungen, Darlehen und Beratungsangeboten.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Investitionsbank Schleswig-Holstein (IB.SH). Sie bietet zahlreiche Finanzierungsprogramme sowohl für Privatpersonen mit einer Gründungsidee als auch für bereits bestehende Unternehmen in der Wachstumsphase an.

Ergänzt wird dieses Angebot durch die Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH). Sie unterstützt junge Unternehmen unter anderem bei der Kapitalbeschaffung, vermittelt Kontakte zu Investoren und begleitet Gründer über den StartupHub.SH auf ihrem Weg von der Geschäftsidee bis zur Unternehmensentwicklung.

Gründungsstipendium erleichtert den Start

Zu den wichtigsten Instrumenten des Landes gehört das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein.

Es richtet sich insbesondere an Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen mit innovativen Geschäftsideen.

Das monatliche Stipendium soll Gründer finanziell entlasten, damit sie sich vollständig auf den Aufbau ihres Unternehmens konzentrieren können. Zusätzlich erhalten die Teams Sachkostenzuschüsse, beispielsweise für die Entwicklung erster Prototypen oder technischer Demonstratoren.

Gerade in der frühen Gründungsphase, in der oftmals noch keine Umsätze erzielt werden, gilt dieses Modell als wichtiger Baustein zur Verringerung finanzieller Risiken.

Beteiligungskapital für wachsende Unternehmen

Neben klassischen Fördermitteln setzt Schleswig-Holstein verstärkt auf Eigenkapitalfinanzierungen.

Hierzu zählen insbesondere der Innovationsfonds Schleswig-Holstein sowie InnoGrowth Schleswig-Holstein.

Mit diesen Beteiligungsinstrumenten sollen junge Unternehmen dabei unterstützt werden, ihre Produkte schneller zur Marktreife zu bringen und weiteres Wachstum zu finanzieren.

Gerade technologieorientierte Start-ups benötigen in den ersten Jahren häufig erhebliche Investitionen, bevor sie Gewinne erwirtschaften können. Beteiligungsmodelle gelten deshalb als wichtiger Bestandteil moderner Innovationsförderung.

Keine Sonderprogramme für einzelne Technologien

Auffällig ist, dass Schleswig-Holstein derzeit keine ausschließlich auf einzelne Technologiebereiche zugeschnittenen Landesprogramme anbietet.

Ob Künstliche Intelligenz, Wasserstofftechnologien, Medizintechnik, Halbleiter, GreenTech oder Digitalisierung – innovative Unternehmen aller Branchen können grundsätzlich dieselben technologieoffenen Förderprogramme nutzen, sofern sie die jeweiligen Voraussetzungen erfüllen.

Damit verfolgt das Land bewusst einen branchenübergreifenden Ansatz und möchte möglichst vielen innovativen Geschäftsideen den Zugang zu Fördermitteln ermöglichen.

Fünf Innovationsfelder prägen die Landesstrategie

Inhaltlich konzentriert sich Schleswig-Holstein auf fünf wirtschaftliche Schwerpunktbereiche.

Die sogenannte Regionale Innovationsstrategie (RIS3.SH) definiert folgende Zukunftsfelder:

  • Maritime Wirtschaft mit moderner Schifffahrt, Meerestechnik und Hafenlogistik,
  • Life Sciences mit Medizintechnik, Biotechnologie und Pharmaindustrie,
  • Energiewende und Grüne Mobilität mit Wasserstoff und erneuerbaren Energien,
  • Ernährungswirtschaft mit nachhaltigen Produktionsverfahren,
  • sowie die Digitale Wirtschaft mit Künstlicher Intelligenz, Big Data und Softwareentwicklung.

Diese Bereiche gelten aufgrund der vorhandenen Forschungslandschaft sowie bestehender Unternehmensstrukturen als besondere Stärken des Landes.

Zukunftstechnologien rücken zusätzlich in den Fokus

Über die Innovationsstrategie hinaus verfolgt das Wirtschaftsministerium weitere Zukunftsthemen.

Im 2026 veröffentlichten Positionspapier für das Startup-Ökosystem werden insbesondere Erneuerbare Energien, Wasserstofftechnologien, Maritime Technologien, Defense & Dual Use, Künstliche Intelligenz sowie Social Entrepreneurship als zentrale Entwicklungsfelder hervorgehoben.

Gerade diese Bereiche versprechen nach Einschätzung des Ministeriums erhebliches internationales Wachstumspotenzial.

Kein Gesamtüberblick über alle Förderungen

Wie viele Start-ups insgesamt durch Landesprogramme unterstützt werden, lässt sich derzeit nicht exakt beziffern.

Grund dafür ist, dass die Förderung über verschiedene Institutionen und Programme erfolgt.

Als Beispiel nennt das Ministerium das Gründungsstipendium Schleswig-Holstein, in dessen Rahmen im Jahr 2025 sechs neue Gründerteams in die Förderung aufgenommen wurden.

Für dieses Programm standen im vergangenen Jahr Fördermittel von rund 450.000 Euro zur Verfügung.

Ein landesweites Gesamtfördervolumen existiert dagegen bislang nicht.

Hochschulen spielen Schlüsselrolle

Eine besondere Bedeutung misst das Land den Hochschulen bei.

Sie übernehmen nicht nur Forschung und Lehre, sondern fördern gezielt Unternehmensgründungen und den Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Wirtschaft.

Gemeinsam mit Technologiezentren, Gründerzentren und der WTSH bilden sie das Rückgrat des Startup-Ökosystems.

Während Hochschulen innovative Ideen hervorbringen, stellen Technologiezentren Infrastruktur und Beratung bereit. Die Investitionsbank liefert Finanzierungsmöglichkeiten, Beteiligungsgesellschaften sorgen für Eigenkapital und Business-Angel-Netzwerke begleiten junge Unternehmen häufig bereits in der Frühphase.

Zugang zu Investoren verbessern

Ein entscheidender Erfolgsfaktor für Start-ups bleibt der Zugang zu privatem Kapital.

Hier setzt Schleswig-Holstein unter anderem auf die Baltic Business Angels Schleswig-Holstein.

Das Netzwerk bringt private Investorinnen und Investoren mit innovativen Gründerteams zusammen und unterstützt junge Unternehmen dabei, notwendiges Eigenkapital für ihre weitere Entwicklung einzuwerben.

Zusätzlich organisieren WTSH und weitere Netzwerkpartner regelmäßig Pitch-Veranstaltungen, Matching-Formate und Kooperationsprojekte, um Start-ups mit potenziellen Kapitalgebern zusammenzubringen.

Internationale Ausrichtung bis 2035

Mit Blick auf die kommenden Jahre verfolgt das Wirtschaftsministerium ehrgeizige Ziele.

Gemeinsam mit Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründerszene wurde ein umfassendes Positionspapier entwickelt, das den Ausbau des Startup-Standorts bis zum Jahr 2035 beschreibt.

Zu den wichtigsten Vorhaben gehören:

  • eine stärkere internationale Sichtbarkeit Schleswig-Holsteins,
  • intensivere Kooperationen insbesondere im Ostseeraum,
  • der Ausbau bestehender Unterstützungsangebote,
  • eine stärkere Entrepreneurship-Ausbildung,
  • sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Start-ups, Hochschulen und etablierten Unternehmen.

Die konkrete Umsetzung einzelner Maßnahmen steht allerdings noch unter dem Vorbehalt künftiger Haushaltsentscheidungen.

Start-ups als Motor für den Strukturwandel

Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums kommt jungen Unternehmen eine zentrale Rolle für die Zukunft des Landes zu.

Start-ups entwickeln neue Technologien, beschleunigen den Wissens- und Technologietransfer und erschließen Zukunftsmärkte, die für die Wettbewerbsfähigkeit Schleswig-Holsteins zunehmend an Bedeutung gewinnen.

Besonders in Bereichen wie Energiewende, Digitalisierung, Maritime Wirtschaft oder Life Sciences entstehen durch die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Investoren neue Geschäftsmodelle mit internationalem Potenzial.

Schleswig-Holstein setzt auf Innovation als Wachstumsmotor

Die Antworten des Wirtschaftsministeriums zeigen deutlich, dass Schleswig-Holstein seine Startup-Politik langfristig ausrichtet. Statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen verfolgt das Land den Aufbau eines leistungsfähigen Innovationsökosystems, das Forschung, Kapital, Wirtschaft und Gründer enger miteinander vernetzt.

Mit technologieoffenen Förderinstrumenten, gezielter Unterstützung in der Frühphase und einer Strategie bis 2035 möchte sich Schleswig-Holstein als einer der führenden Startup-Standorte im Norden Deutschlands etablieren. Ob dieses Ziel erreicht wird, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie konsequent die angekündigten Maßnahmen umgesetzt und ausreichend finanziell hinterlegt werden. Fest steht jedoch schon heute: Für die wirtschaftliche Zukunft des Landes spielen innovative Gründerinnen und Gründer eine immer wichtigere Rolle.

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