Schweizer Startup News
Die wichtigste Finanzierungsrunde der Woche kommt aus Zürich: Aisot Technologies, ein Spin-off der ETH Zürich, hat eine Seed-Extension über 2 Mio. CHF abgeschlossen. Das Unternehmen entwickelt KI-basierte Lösungen für Portfolio- und Asset-Management. An der Runde beteiligten sich bestehende und neue Investoren, darunter Family Offices und Angels; neu dabei ist unter anderem Felix Haldner, früher Partner bei Partners Group und Präsident der Swiss Funds & Asset Management Association. Bereits 2023 hatte Aisot 1,8 Mio. CHF aufgenommen.
Spannend ist daran vor allem die Positionierung: Aisot versucht, agentische KI direkt in institutionelle Investmentprozesse zu bringen. Damit zeigt sich auch in der Schweiz ein Muster, das derzeit europaweit zu beobachten ist: Kapital fließt nicht nur in allgemeine KI-Plattformen, sondern zunehmend in vertikale Anwendungen für einzelne Branchen wie Finance, Legal oder Healthcare.
Auch beim Schweizer FoodTech Planted gibt es Bewegung. Das Unternehmen aus Kemptthal baut seine Plattform für fermentierte „Whole-Cut“-Fleischalternativen weiter aus und richtet den Blick stärker auf B2B-Partnerschaften. Statt ausschließlich eigene Consumer-Produkte zu verkaufen, könnte die Fermentationstechnologie damit zunehmend auch als Plattform beziehungsweise Produktionsbasis für andere Lebensmittelunternehmen dienen.
Im ClimateTech-Ökosystem fand am 14. August in Basel das Schweizer Finale des ClimateLaunchpad 2026 statt. Dort präsentieren junge ClimateTech-Unternehmen ihre Geschäftsmodelle und qualifizieren sich für die nächsten internationalen Wettbewerbsstufen. Gerade für sehr frühe Cleantech-Gründungen sind solche Programme relevant, weil kommerzielle VC-Runden in diesem Segment oft später kommen als bei Software-Startups.
Parallel läuft die Auswahl für die nächste Generation Schweizer Cleantech-Unternehmen: Am 12. August standen beim Programm Venture Leaders Cleantech 2026 die Jury-Präsentationen der besten 20 Bewerber an. Die ausgewählten Unternehmen sollen anschließend internationale Kontakte zu Investoren und Industriepartnern aufbauen.
Interessant ist außerdem der Blick auf das Schweizer FinTech-Ökosystem insgesamt. Zehn Unternehmen wurden bereits für das Swiss National Startup Team Fintech 2026 ausgewählt und sollen im Oktober nach London reisen. Inhaltlich reicht das Feld von KI-basierten Finanzdienstleistungen über Fraud Prevention und Payment bis zu InsurTech und Nature Finance. Ein öffentliches „State of Fintech in Switzerland 2026“-Event ist für den 18. August angekündigt.
Was diese Woche auffällt
Im Gegensatz zu Deutschland oder Schweden gab es in der Schweiz in den vergangenen sieben Tagen keine große zweistellige oder dreistellige Millionenrunde, die den Markt dominiert hätte. Das bedeutet aber nicht, dass das Ökosystem schwach ist. Vielmehr bleibt die Schweiz stark in Bereichen, die eng mit Hochschulforschung und hochspezialisierter Technologie verbunden sind: FinTech, DeepTech, MedTech, Biotech, Robotics und ClimateTech.
Das beste aktuelle Beispiel ist Aisot: ETH-Spin-off, spezialisierte KI-Technologie und ein klar definierter institutioneller Markt. Dieses Muster ist typisch für viele erfolgreiche Schweizer Gründungen.
Auffällig ist zugleich, dass die Schweiz versucht, ihre Startups früher international auszurichten. Programme wie Venture Leaders schicken Unternehmen gezielt nach London, Boston oder andere internationale Technologiezentren. Das ist angesichts der Größe des Schweizer Heimatmarktes fast zwangsläufig – kann aber ein Vorteil sein: Schweizer Startups müssen häufig schon sehr früh global denken.
Mein Fazit für die Woche: Der Schweizer Startup-Markt ist aktuell weniger von spektakulären Mega-Runden geprägt als der deutsche Markt. Dafür sieht man eine sehr klare Spezialisierung auf wissenschaftsnahe, technologisch anspruchsvolle Geschäftsmodelle. Besonders beobachten würde ich derzeit AI-FinTech, DeepTech/Robotics, Life Sciences sowie ClimateTech.


