Startup News Asien außer China
Für Asien ohne China ist der Zeitraum 9.–15. August 2026 vor allem durch Indien und Südkorea geprägt. Während China aktuell stark auf Humanoids und Physical AI setzt, sieht man im übrigen Asien eine breitere Mischung aus E-Mobility, AI-Infrastruktur, Halbleitern, DeepTech und Agritech.
🇮🇳 Indien: Yulu holt 93 Mio. Dollar
Die größte gut belegte Startup-Finanzierung der Woche kommt aus Indien. Yulu aus Bengaluru hat 93 Mio. US-Dollar aufgenommen – 63 Mio. Dollar Eigenkapital und 30 Mio. Dollar Fremdkapital. Die Eigenkapitalrunde wurde von GEF Capital Partners angeführt.
Yulu betreibt elektrische Zweiräder, die insbesondere für Quick-Commerce- und Essenslieferungen eingesetzt werden. Das Unternehmen will seine Flotte von derzeit rund 50.000 auf 200.000 Fahrzeuge innerhalb von zwei Jahren vervierfachen und von zwölf auf 20 Städte expandieren. Yulu ist bereits operativ profitabel und peilt mittelfristig einen Börsengang an.
Das ist für den indischen Markt interessant: Der Boom von Zepto, Blinkit, Swiggy und anderen Lieferdiensten erzeugt eine eigene Infrastrukturwirtschaft. E-Mobility-Startups profitieren unmittelbar davon.
Insgesamt sammelten indische Startups zwischen dem 10. und 14. August rund 139,5 Mio. Dollar über zwölf Deals ein. Das waren allerdings 44 Prozent weniger als in der Vorwoche.
🇮🇳 9 Mio. Dollar für KI-Materialforschung
Ein besonders spannender DeepTech-Deal ist Discovered Materials. Das von indischen Gründern aufgebaute Unternehmen hat eine Seed-Runde über 9 Mio. Dollar abgeschlossen. Lightspeed India Partners führte die Runde an; beteiligt waren außerdem Y Combinator und Peak XV Partners.
Das Unternehmen verwendet AI Agents zur Entdeckung neuer Materialien, unter anderem für die Kühlung leistungsfähiger Chips.
Hier entsteht ein interessanter Kreislauf: KI erhöht den Strom- und Kühlungsbedarf von Rechenzentren – und andere KI-Systeme werden eingesetzt, um Materialien zu finden, mit denen Chips effizienter betrieben werden können.
Indien entwickelt sich damit zunehmend von einem klassischen Software-/SaaS-Standort zu einem Markt für AI + DeepTech + Manufacturing.
🇮🇳 Accel stellt weitere 550 Mio. Dollar bereit
Auch auf Investorenseite gab es eine wichtige Nachricht. Accel hat seinen neunten Indien-Fonds mit 550 Mio. Dollar geschlossen. Der Fonds soll insbesondere in Early-Stage-Unternehmen investieren. AI, FinTech und Manufacturing gehören zu den Schwerpunkten.
Das ist ein wichtiges Signal, weil Indien damit weiterhin große internationale VC-Fonds anzieht. Insgesamt haben indische Startups im ersten Halbjahr 2026 bereits ungefähr 7,4 Mrd. Dollar aufgenommen.
🇰🇷 Südkorea: 80 Mio. Dollar für AI-Datacenter-Technologie
Die spannendste südkoreanische Finanzierung dieser Woche kommt von Point2 Technology. Das Unternehmen hat eine Series-B-Erweiterung über 80 Mio. Dollar abgeschlossen und damit seine Gesamtfinanzierung auf rund 140 Mio. Dollar erhöht.
Point2 entwickelt Hochgeschwindigkeitsverbindungen für AI-Rechenzentren. Genau diese Komponenten werden zunehmend zum Flaschenhals: Tausende GPUs müssen innerhalb eines Datacenters möglichst schnell und energieeffizient miteinander kommunizieren.
Südkorea besitzt hier einen strategischen Vorteil. Mit Samsung und SK Hynix verfügt das Land bereits über eine enorme Halbleiter- und Speicherindustrie. Startups können darauf ein Ökosystem rund um AI Chips, Memory, Packaging, Interconnects und Datacenter-Technologie aufbauen.
Das spiegelt sich auch im Kapitalmarkt wider: Südkoreanische Startups haben 2026 bis August rund 1,97 Mrd. Dollar über 264 Equity-Runden aufgenommen.
🇰🇷 Staat und Industrie bauen die Startup-Pipeline aus
Parallel startet die Federation of Korean Industries ein neues Programm, über das 100 Startup-Teams ausgewählt und finanziert werden sollen. Bewerbungen für junge Unternehmen wurden diese Woche geöffnet.
Das passt zur koreanischen Strategie: Der Staat versucht gezielt, Startups in Bereichen aufzubauen, in denen bereits große industrielle Konzerne vorhanden sind – insbesondere Semiconductors, Robotics, AI, Batteries und Biotech.
🇸🇬 Singapur: neues Agritech-Venture-Studio
In Singapur wurde diese Woche außerdem Monsoon Ventures vorgestellt. Das neue Venture Studio soll gezielt Agritech-Unternehmen in Südostasien aufbauen und finanzieren. Unterstützt wird die Initiative unter anderem von Enterprise Singapore und der Stiftung der niederländischen Rabobank.
Das ist strategisch interessant, weil Südostasien einen riesigen Agrar- und Lebensmittelmarkt besitzt, gleichzeitig aber mit Klimawandel, Wasserknappheit, Produktivitätsproblemen und komplexen Lieferketten kämpft.
Singapur übernimmt dabei häufig die Rolle des Finanzierungs- und Unternehmensstandorts, während die eigentlichen Anwendungen beispielsweise in Indonesien, Vietnam, Thailand oder Malaysia liegen.
🇮🇩 Indonesien: Kapital wandert über Jakarta hinaus
In Indonesien ist derzeit weniger eine einzelne Mega-Runde als eine strukturelle Veränderung interessant. Investoren suchen zunehmend auch außerhalb Jakartas nach Unternehmen.
Das ist wichtig, weil der indonesische Startup-Boom lange extrem stark auf Jakarta sowie Consumer-Internet, E-Commerce und FinTech konzentriert war. Inzwischen wächst das Interesse an Agritech, ClimateTech, Logistik, Healthcare und regionaler Digitalisierung.
Gleichzeitig bleibt das Finanzierungsumfeld in Südostasien wesentlich selektiver als während des Grab-/GoTo-/Sea-Booms. Investoren verlangen heute stärker nachvollziehbare Wege zur Profitabilität.
🇯🇵 Japan: viel Kapital, aber diese Woche kein dominierender Deal
Japan hatte in den vergangenen sieben Tagen keinen einzelnen Deal, der in den von mir geprüften Quellen ähnlich heraussticht wie Yulu oder Point2.
Der größere Trend ist dennoch positiv: Japanische Startups haben 2026 bis August bereits rund 5,21 Mrd. Dollar über 513 Finanzierungsrunden aufgenommen. Das Finanzierungsvolumen liegt deutlich über dem Vorjahresniveau.
Besonders interessant sind derzeit Robotics, SpaceTech, Nuclear Fusion, Advanced Materials und Enterprise AI.
Japan könnte deshalb im Physical-AI-Boom eine besondere Rolle spielen. China besitzt enorme Fertigungskapazitäten, Südkorea ist stark bei Halbleitern – Japan verfügt dagegen über jahrzehntelange Kompetenz bei Robotik, Präzisionsmaschinen, Sensorik und Materialien.
Das größere Bild: Asien entwickelt drei unterschiedliche KI-Modelle
Wenn man China hinzunimmt, zeichnet sich mittlerweile eine interessante Arbeitsteilung innerhalb Asiens ab.
China konzentriert sich außergewöhnlich stark auf Humanoid Robotics, Embodied AI, Batterien und Manufacturing. Südkorea besitzt seine größte Stärke bei AI Chips, Memory und Datacenter-Hardware. Japan bringt Robotik, Sensoren, Materialien und Präzisionsfertigung ein. Indien entwickelt sich von Software und FinTech zunehmend in Richtung AI, DeepTech und technologiegestützter Industrie. Und Singapur/Südostasien bleiben stark bei FinTech, Commerce, Logistics und zunehmend Climate-/Agritech.
Der interessanteste Markt dieser Woche ist für mich Indien. Die 93-Mio.-Dollar-Runde von Yulu, die DeepTech-Finanzierung von Discovered Materials und Accels neuer 550-Mio.-Dollar-Indienfonds zeigen gleichzeitig drei Ebenen eines reifenden Ökosystems: Scaleups, neue DeepTech-Gründungen und viel verfügbares VC-Kapital.
Direkt dahinter würde ich momentan Südkorea beobachten. Point2 ist ein gutes Beispiel dafür, dass im KI-Boom nicht nur Modelle Milliardenmärkte erzeugen – sondern auch die Halbleiter-, Speicher- und Verbindungstechnologien darunter.


