13. September 2026

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Startup-News: DeepTech, KI und strategische Infrastruktur rücken in den Mittelpunkt

Startup-News: DeepTech, KI und strategische Infrastruktur rücken in den Mittelpunkt

Die europäische Startup-Szene steht zum Ende der Woche ganz im Zeichen von DeepTech, künstlicher Intelligenz und technologischer Infrastruktur. Während in Deutschland neue Strukturen geschaffen werden sollen, um wissenschaftliche Forschung schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen, fließt in der Schweiz frisches Kapital in KI-gestützte Biotechnologie. Gleichzeitig erhält das spanische Raumfahrtunternehmen PLD Space einen dreistelligen Millionenbetrag von der Europäischen Weltraumorganisation ESA. International zeigt sich zudem, wie stark sich der Wettbewerb im KI-Sektor inzwischen auf die zugrunde liegende Chip-Infrastruktur verlagert.

In Deutschland richtet sich der Blick derzeit vor allem auf die sogenannten Startup Factories. Insgesamt sind an dem Programm 126 Hochschulen und Forschungseinrichtungen sowie 144 Partner aus Wirtschaft und Finanzierung beteiligt. Private Partner haben rund 110 Millionen Euro zugesagt. Jede der zehn Startup Factories kann zusätzlich über fünf Jahre hinweg bis zu zehn Millionen Euro Bundesförderung erhalten.

Das Programm soll eines der zentralen Probleme des deutschen Innovationssystems adressieren: Zwar entstehen an Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstituten zahlreiche neue Technologien, doch vergleichsweise wenige davon schaffen den Weg in schnell wachsende Unternehmen. Besonders bei DeepTech-Gründungen ist diese Lücke relevant. Startups aus Bereichen wie Robotik, Biotechnologie, Quantentechnologie oder neuen Materialien benötigen häufig nicht nur Kapital, sondern auch Labore, Testanlagen, Zertifizierungen und industrielle Pilotkunden.

Für Deutschland könnte die stärkere Verbindung von Forschung, Mittelstand, Industrie und Venture Capital daher strategisch wichtig werden. Entscheidend wird allerdings sein, ob aus den geförderten Strukturen tatsächlich Unternehmen entstehen, die auch international skalieren können.

Ein Beispiel dafür, wie sich künstliche Intelligenz zunehmend mit physischer Forschungsinfrastruktur verbindet, kommt aus der Schweiz. Das Lausanner Biotech-Unternehmen Adaptyv Bio hat eine Series-A-Finanzierungsrunde über 40 Millionen US-Dollar beziehungsweise rund 34 Millionen Euro abgeschlossen. Angeführt wird die Runde von Highland Europe, beteiligt sind unter anderem Ace Ventures, byFounders und Y Combinator.

Adaptyv entwickelt automatisierte Labore, in denen mithilfe künstlicher Intelligenz entworfene Proteine hergestellt und getestet werden. Besonders interessant ist dabei die Verbindung von KI-Agenten und Laborautomatisierung: Software-Systeme können Experimente über Schnittstellen direkt anstoßen. Die dadurch gewonnenen Daten fließen wiederum in die Entwicklung neuer Modelle ein.

Das Unternehmen spricht von mehr als 100 Kunden und will seine Laborkapazität bis Ende 2026 etwa verdreifachen. Damit adressiert Adaptyv einen zunehmend wichtigen Engpass der sogenannten „AI for Science“-Bewegung. Generative KI kann biologische Moleküle inzwischen sehr schnell entwerfen. Der nächste Flaschenhals entsteht jedoch häufig bei der experimentellen Überprüfung im Labor. Unternehmen, die diesen Zyklus aus KI-Entwurf, Experiment, Datenauswertung und neuem Modell automatisieren, könnten deshalb eine neue Infrastrukturklasse für Pharma- und Biotech-Unternehmen bilden.

Auch in der europäischen Raumfahrt fließt erhebliches Kapital. Das spanische SpaceTech PLD Space erhält von der Europäischen Weltraumorganisation ESA 158,9 Millionen Euro im Rahmen der European Launcher Challenge. Die Mittel sollen unter anderem den kommerziellen Betrieb und die Weiterentwicklung der Rakete MIURA 5 bis 2030 unterstützen.

Für PLD Space ist es bereits der nächste große Finanzierungsschritt. Im laufenden Jahr hatte das Unternehmen zuvor unter anderem eine Series-C-Runde über 180 Millionen Euro sowie 30 Millionen Euro Venture Debt von der Europäischen Investitionsbank erhalten. Hinzu kommen Investitionen in den geplanten Startkomplex in Französisch-Guayana.

Der Fall zeigt, wie sich der europäische SpaceTech-Markt verändert. Während junge Raumfahrtunternehmen früher stark von klassischem Risikokapital abhängig waren, treten Staaten und europäische Institutionen zunehmend als strategische Kunden und Auftraggeber auf. Gerade bei Raketen, Satelliten und sicherheitsrelevanter Infrastruktur können solche Verträge für Startups langfristig sogar wichtiger werden als einzelne VC-Runden.

Hinter dieser Entwicklung steht auch ein geopolitisches Motiv: Europa will seine Abhängigkeit von außereuropäischen Raumfahrtanbietern verringern und einen eigenständigeren Zugang zum Weltraum sicherstellen. Private Anbieter wie PLD Space spielen dabei eine immer größere Rolle.

International richtet sich die Aufmerksamkeit unterdessen auf den Wettbewerb um KI-Chips. Nach Informationen von Reuters diskutierte das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic zeitweise eine Übernahme des Chip-Startups MatX für rund sieben Milliarden US-Dollar. Die Gespräche über einen Kauf wurden dem Bericht zufolge inzwischen beendet beziehungsweise in Gespräche über eine mögliche Partnerschaft überführt. MatX soll nun neues Kapital zu einer Bewertung von ungefähr vier Milliarden US-Dollar suchen.

Das Startup wurde von ehemaligen Entwicklern der Google-TPUs gegründet und arbeitet an spezialisierten Prozessoren für das Training großer KI-Modelle. Auch Anthropic baut laut Reuters ein eigenes Team für Halbleitertechnologien auf und führt Gespräche mit weiteren Unternehmen aus dem Chipsektor.

Die Entwicklung ist strategisch bedeutsam. Der Wettbewerb zwischen den großen KI-Anbietern findet längst nicht mehr ausschließlich auf der Ebene der Modelle statt. Immer wichtiger wird die Kontrolle über den gesamten Technologie-Stack – von Modellen und Trainingssoftware über Rechenzentren bis hin zu speziell entwickelten Chips.

Eigene Halbleiter könnten KI-Anbietern ermöglichen, Kosten und Energieverbrauch stärker zu optimieren und gleichzeitig ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Für spezialisierte Chip-Startups eröffnet diese Entwicklung neue Chancen: Sie könnten sowohl attraktive Übernahmeziele als auch strategische Partner großer KI-Konzerne werden.

Übergreifend zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass sich die nächste Phase des Technologiebooms zunehmend um Infrastruktur dreht. Software allein reicht in vielen Zukunftsbranchen nicht mehr aus. KI-Unternehmen benötigen Rechenzentren und Chips, Biotech-Firmen automatisierte Labore, SpaceTechs Startanlagen und Produktionskapazitäten und industrielle DeepTech-Gründer Zugang zu Maschinen, Testfeldern und Pilotkunden.

Genau darin liegt auch eine Chance für Europa. Der Kontinent verfügt über starke Universitäten, Forschungsinstitute, Maschinenbauer, Chemieunternehmen und industrielle Konzerne. Gelingt es, diese Strukturen enger mit jungen Technologieunternehmen und ausreichend Wachstumskapital zu verbinden, könnte Europa gerade in der Verbindung von künstlicher Intelligenz mit der physischen Wirtschaft eine stärkere Position einnehmen.

Der entscheidende Wettbewerb der kommenden Jahre dürfte deshalb nicht allein darum geführt werden, wer das leistungsfähigste KI-Modell entwickelt. Mindestens ebenso wichtig wird die Frage sein, wer die technische Infrastruktur kontrolliert, auf der diese neue Generation von Unternehmen aufbaut.

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