Sunfire: Dresdner Wasserstofftechnologie für die industrielle Energiewende
Sunfire aus Dresden gehört zu den wichtigsten deutschen ClimateTech-Unternehmen. Das 2010 gegründete Unternehmen entwickelt und produziert industrielle Elektrolyseanlagen zur Herstellung von grünem Wasserstoff. Damit adressiert Sunfire einen der zentralen Bausteine der Energiewende: die Dekarbonisierung von Industrieprozessen, die sich nicht einfach elektrifizieren lassen.
Grüner Wasserstoff entsteht, wenn Wasser mithilfe erneuerbarer Energie in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird. Dieser Wasserstoff kann anschließend in der Stahlindustrie, Chemie, Raffinerien, Schwerlastmobilität oder bei synthetischen Kraftstoffen eingesetzt werden. Sunfire entwickelt dafür verschiedene Elektrolysetechnologien, darunter alkalische Elektrolyse und Hochtemperaturelektrolyse. Besonders die Hochtemperaturelektrolyse gilt als effizient, wenn industrielle Abwärme genutzt werden kann.
Das Unternehmen wurde von Nils Aldag, Christian von Olshausen und Carl Berninghausen gegründet. Heute zählt Sunfire zu den größeren europäischen Elektrolyseur-Anbietern. Nach öffentlich verfügbaren Angaben beschäftigte Sunfire zuletzt mehr als 600 Mitarbeitende. 2024 sicherte sich das Unternehmen 215 Millionen Euro zusätzliches Kapital in einer Series-E-Finanzierung, ein Darlehen der Europäischen Investitionsbank über bis zu 100 Millionen Euro sowie weitere Fördermittel. Zu den Investoren gehören unter anderem TotalEnergies, Neste, LGT und der Klimafonds von Amazon.
Sunfire ist ein Beispiel dafür, wie ClimateTech zunehmend industriell wird. Es geht nicht um Software oder digitale Plattformen, sondern um große Anlagen, Lieferketten, Fertigungskapazitäten und langfristige Projektverträge. In Solingen begann das Unternehmen mit der Serienfertigung von Elektrolysemodulen. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten perspektivisch auf Gigawatt-Niveau auszubauen.
Die Chancen sind groß, aber die Risiken ebenfalls. Der Wasserstoffmarkt entwickelt sich langsamer als viele politische Strategiepapiere erwarten ließen. Projekte sind kapitalintensiv, hängen von Strompreisen, Förderung, Infrastruktur, Abnahmeverträgen und regulatorischen Rahmenbedingungen ab. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass Wasserstoff und synthetische Energieträger langfristig eine wichtige Rolle im deutschen Energiesystem spielen können, zugleich aber hohe Investitionskosten und komplexe Standortfragen zu berücksichtigen sind.
Für Deutschland ist Sunfire strategisch relevant. Wenn Europa bei Elektrolyseuren, grünem Wasserstoff und industrieller Dekarbonisierung nicht vollständig von ausländischen Anbietern abhängig sein will, braucht es Unternehmen wie Sunfire. Der Erfolg hängt nun davon ab, ob das Unternehmen aus technologischer Stärke industrielle Skalierung machen kann – und ob der Wasserstoffmarkt schnell genug wächst, um die hohen Investitionen zu tragen.


