14. June 2026

Kontaktdaten

August-Bebel-Straße 5 d
04425 Taucha

Telefon

0800 0800 756

E-Mail Adresse

info@deutsche-startup-zeitung.de

Allgemein

Luxusproblem oder clevere Hilfe? In Indien trägt jetzt der „CarryMen“ die Einkaufstaschen

Luxusproblem oder clevere Hilfe? In Indien trägt jetzt der „CarryMen“ die Einkaufstaschen

Wer in Deutschland schon genervt ist, wenn der Supermarkt keine Selbstbedienungskasse hat, dürfte diese Geschäftsidee entweder genial oder komplett absurd finden:

In Indien kann man sich jetzt offiziell Menschen mieten, die beim Shoppen die Einkaufstaschen tragen.

Das Start-up „CarryMen“ aus Delhi bietet genau das an:
Persönliche Einkaufshelfer, die Taschen schleppen, Kinderwagen schieben, Wasser reichen, den Weg durch überfüllte Märkte zeigen oder sogar in Essensschlangen warten.

Und nein — das ist keine Satire.
Das Unternehmen existiert wirklich.

Die Idee entstand laut den Gründerinnen bei einem stressigen Einkaufsbummel mit Kinderwagen und Tütenchaos im berühmten Markt von Lajpat Nagar. Statt weiter Familienmitglieder fürs Shoppen zu verpflichten, entstand offenbar die moderne Lösung:
„Warum nicht einfach jemanden bezahlen, der den ganzen Kram trägt?“

Die Preise wirken dabei fast symbolisch:
30 Minuten Taschenservice kosten umgerechnet weniger als einen Euro.

Im Angebot enthalten:

  • Tüten tragen
  • Kinderwagen schieben
  • Weg erklären
  • Wasserflaschen reichen
  • Sitzgelegenheiten organisieren
  • Warteschlangen übernehmen

Fehlt eigentlich nur noch jemand, der parallel sagt:
„Die rote Bluse steht Ihnen ausgezeichnet, gnädige Frau.“

Natürlich dauerte es nicht lange, bis im Internet die große Grundsatzdebatte losging.

Die einen feiern „CarryMen“ als kreative Geschäftsidee und Jobmotor.
Die anderen sprechen von moderner Dienstbotengesellschaft, digitalisierten Kofferträgern oder „Luxus-Faulheit der Mittelschicht“.

Besonders kritisch wurde diskutiert, ob hier schlecht bezahlte Hilfsarbeiter lediglich einen neuen schicken Namen bekommen haben.

Die Gründerinnen weisen das zurück. Ihre Mitarbeiter seien fest angestellt, erhielten Gehalt und würden nicht wie klassische Gig-Worker behandelt.

Und tatsächlich scheint der Service vor allem bei älteren Menschen, Schwangeren oder Familien mit kleinen Kindern gut anzukommen.

Ein älteres Ehepaar erklärte gegenüber der BBC begeistert, man könne dank des Helfers „endlich wieder entspannt shoppen, ohne ständig mit Taschen kämpfen zu müssen“.

Die Helfer selbst berichten ebenfalls positiv. Einer der jungen Mitarbeiter erklärte, er verdiene besser als zuvor als Lieferfahrer und fühle sich respektiert.

Trotzdem bleibt die Frage spannend:
Ist „CarryMen“ die Zukunft urbaner Dienstleistungen — oder einfach nur der Moment, in dem Menschen endgültig beschlossen haben, selbst keine Einkaufstaschen mehr tragen zu wollen?

Fest steht:
Das Geschäftsmodell polarisiert.

Während Kritiker bereits das Ende der Eigenständigkeit ausrufen, planen die Gründerinnen schon die Expansion in weitere indische Städte.

Und wer weiß:
Vielleicht dauert es gar nicht mehr lange, bis auch hierzulande Start-ups entstehen mit Slogans wie:
„Sie shoppen. Wir schleppen.“

About Author

Redaktion

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert