China separat: 900 Millionen für Roboter – aber erste Warnzeichen einer Blase
China ist derzeit wahrscheinlich der aggressivste Markt der Welt für Physical AI und humanoide Robotik.
Das deutlichste Beispiel ist Dogotix, die ausgegliederte Robotiksparte des Elektroautoherstellers XPeng. Sie sicherte sich Finanzierungszusagen von mehr als 900 Millionen Dollar und wird mit mehr als 6,3 Milliarden Dollar bewertet. Zu den Investoren gehören IDG Capital, Alibaba, Tencent und Gaorong Ventures. Reuters bezeichnet die Runde als Rekord für Chinas „Embodied AI“-Sektor. XPeng will bis Jahresende rund 1.000 humanoide IRON-Roboter pro Monat produzieren und 2027 stärker in den kommerziellen Verkauf gehen.
Auch die Halbleiterindustrie zieht enorme Summen an. Der chinesische KI-Chiphersteller Sunrise erhielt 2 Milliarden Yuan, rund 297 Millionen Dollar, und verdoppelte seine Bewertung nahezu auf etwa 20 Milliarden Yuan. Hintergrund sind die starke Nachfrage nach KI-Rechenleistung und Chinas Bemühungen, weniger abhängig von amerikanischen Hochleistungschips zu werden.
Parallel bereitet Enflame Technology, einer der führenden chinesischen KI-Chipanbieter, einen Börsengang auf Shanghais STAR Market vor. Das Unternehmen will rund 6 Milliarden Yuan beziehungsweise knapp 900 Millionen Dollar aufnehmen und damit weitere Generationen seiner KI-Chips entwickeln.
Doch mittlerweile werden auch die Risiken deutlich. Reuters berichtet von mehr als 150 chinesischen Unternehmen, die an humanoiden Robotern arbeiten. Allein im ersten Halbjahr 2026 seien über 230 Millionen Dollar an staatlicher Unterstützung in den Bereich geflossen. Gleichzeitig fehlen vielen Systemen noch Zuverlässigkeit, Intelligenz und wirtschaftlich sinnvolle Anwendungen in realen Fabriken.
Der Börsengang von Unitree zeigt, wie heiß die Erwartungen geworden sind: Nach einem extremen Kurssprung unmittelbar nach dem Debüt verlor die Aktie anschließend massiv an Wert. Das verstärkte Sorgen, dass Bewertungen der kommerziellen Realität davoneilen könnten.
Gleichzeitig wandert Kapital inzwischen von reiner Roboterhardware tiefer in die Infrastruktur. SongYing Technology schloss mehrere Finanzierungsrunden im Umfang von mehreren hundert Millionen Yuan für sein Physical-AI-Betriebssystem ORCA OS ab. Andere junge Unternehmen konzentrieren sich auf Trainingsdaten, Simulation und Software für verkörperte KI.
Das China-Bild: Die Regierung und private Investoren versuchen offenbar, bei Robotik dasselbe Skalierungsmodell zu wiederholen, das China bei Elektroautos und Solarenergie erfolgreich gemacht hat. Der Unterschied: Ein humanoider Roboter ist technisch wesentlich komplexer. Deshalb treffen derzeit Milliardenkapital und enorme Erwartungen auf Produkte, deren echte industrielle Nutzung vielfach noch Jahre entfernt ist.


