Niedersachsen zündet den Startup-Turbo: Rekordzahlen, Millionenförderung und ambitionierte Wachstumspläne
Niedersachsen entwickelt sich zunehmend zu einem der dynamischsten Startup-Standorte Deutschlands. Mit Rekordgründungen, Millioneninvestitionen in Gründungsförderung, Hightech-Inkubatoren und Venture-Capital-Programmen will das Land seine Position im Wettbewerb um innovative Unternehmen weiter ausbauen. Das geht aus einer Stellungnahme des Niedersächsischen Wirtschaftsministeriums gegenüber der Deutschen Startup-Zeitung hervor.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Nach Angaben des Ministeriums wurden allein im Jahr 2025 insgesamt 167 neue Startups gegründet – so viele wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Noch bemerkenswerter ist die Entwicklung im laufenden Jahr: Bereits im ersten Halbjahr 2026 entstanden 175 neue Startups. Damit wurden schon nach sechs Monaten mehr junge Unternehmen gegründet als im gesamten Vorjahr. Für das Land ist dies ein deutliches Signal, dass die in den vergangenen Jahren aufgebaute Startup-Strategie zunehmend Wirkung zeigt.
Förderkette von der Idee bis zum Scale-up
Das Wirtschaftsministerium verfolgt dabei einen ganzheitlichen Ansatz. Gründerinnen und Gründer sollen entlang der gesamten Unternehmensentwicklung begleitet werden – von der ersten Geschäftsidee über die Gründungsphase bis hin zur internationalen Expansion.
Zu den wichtigsten Bausteinen zählt das Gründungsstipendium Niedersachsen. Innovative Gründungsteams erhalten dabei für bis zu zehn Monate finanzielle Unterstützung. Studierende können monatlich 1.100 Euro erhalten, Absolventinnen und Absolventen sowie Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung bis zu 2.200 Euro monatlich.
Ergänzt wird das Angebot durch Startup-Zentren, Hightech-Inkubatoren sowie verschiedene Beteiligungs- und Venture-Capital-Programme.
Bis zu 300.000 Euro Zuschuss für Hightech-Startups
Ein Schwerpunkt liegt auf technologieorientierten Unternehmensgründungen.
Die landesweiten Hightech-Inkubatoren (HTI) bieten nicht nur Coaching, Mentoring und Zugang zu Netzwerken. Besonders attraktiv ist die Möglichkeit direkter Förderzuschüsse von bis zu 300.000 Euro für innovative Startups.
Darüber hinaus unterstützt das Beteiligungsprogramm NSeed junge Unternehmen mit Eigenkapital zwischen 150.000 und 600.000 Euro. Über das Programm InnoGrowth Niedersachsen erhalten wachstumsorientierte Startups zusätzlich Beteiligungskapital über spezialisierte Finanzintermediäre.
Für Unternehmen in der Skalierungsphase stehen außerdem drei Wachstumsfonds bereit, die gemeinsam mit privaten Investoren aufgebaut wurden.
Mehr als 50 Millionen Euro für Hightech-Inkubatoren
Auch beim Fördervolumen setzt Niedersachsen auf erhebliche Investitionen.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums wurden seit Einführung des Gründungsstipendiums im Jahr 2019 mehr als 640 Stipendien mit einem Gesamtvolumen von rund 10,5 Millionen Euro bewilligt.
Für die Hightech-Inkubatoren stehen in der laufenden Förderperiode rund 52,76 Millionen Euro zur Verfügung. Davon entfallen etwa 12,5 Millionen Euro unmittelbar auf die Förderung der Inkubatorstrukturen.
Die landesweiten Startup-Zentren erhalten für die Förderperiode 2026 bis 2028 zusätzlich rund 2,6 Millionen Euro Landesmittel.
Auch die Wachstumsfinanzierung wurde deutlich ausgebaut: Die drei landeseigenen Fonds verfügen zusammen mit privaten Investoren über ein Gesamtvolumen von nahezu 70 Millionen Euro. Bis Ende 2025 wurden daraus bereits 31 Startups finanziert.
Fokus auf Life Sciences, Agrartechnologie und GreenTech
Thematisch konzentriert sich Niedersachsen auf Branchen, in denen bereits starke Forschungs- und Industriestandorte vorhanden sind.
Besonders hervorgehoben werden:
- Life Sciences,
- AgriFood,
- Bioökonomie,
- Medizintechnik,
- GreenTech,
- Energie,
- Künstliche Intelligenz,
- Mobilität,
- Mikroelektronik,
- Quantentechnologien,
- Digitalisierung,
- Kreislaufwirtschaft,
- sowie industrielle Transformation.
Die Hightech-Inkubatoren sind jeweils auf unterschiedliche Zukunftsbranchen spezialisiert. So konzentriert sich beispielsweise der Standort Oldenburg auf Künstliche Intelligenz und Energie, Braunschweig auf Mobilität und Mikroelektronik, während Goslar GreenTech und Kreislaufwirtschaft in den Mittelpunkt stellt.
Hochschulen werden zu Gründungsfabriken
Eine zentrale Rolle spielen die niedersächsischen Hochschulen.
Nach Angaben des Wirtschaftsministeriums verfügen 86 Prozent aller Gründerinnen und Gründer über einen akademischen Abschluss, mehr als die Hälfte davon wurde an einer Hochschule in Niedersachsen erworben.
Mit dem Förderprogramm Science Startups unterstützt das Land derzeit sieben Hochschulprojekte bis zum Jahr 2030 mit insgesamt rund 15 Millionen Euro. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in marktfähige Unternehmen zu überführen.
Hinzu kommen weitere Förderprogramme für Innovationsräume, Wissens- und Technologietransfer sowie Patentmanagement mit einem Gesamtvolumen von mehr als 24 Millionen Euro.
Venture Capital und Internationalisierung
Nicht nur die Gründung, sondern auch das Wachstum soll erleichtert werden.
Die NBank und ihre Beteiligungsgesellschaft NBank Capital unterstützen Startups beim Zugang zu Venture Capital und Business Angels.
Gleichzeitig organisiert Niedersachsen Gemeinschaftsauftritte auf internationalen Leitveranstaltungen wie der Slush in Helsinki, der VivaTech in Paris oder der GITEX Europe. Mit dem Step-USA-Programm erhalten ausgewählte Startups darüber hinaus Unterstützung beim Markteintritt in den Vereinigten Staaten.
Startup-Standort gewinnt an Attraktivität
Nach Einschätzung des Wirtschaftsministeriums gewinnt Niedersachsen auch bundesweit zunehmend an Bedeutung als Gründungsstandort.
Erstmals verzeichnet das Land eine positive Wanderungsbilanz bei Startups. Die Zahl der zuziehenden Gründungsunternehmen übersteigt inzwischen die Zahl der Abwanderungen um 28 Unternehmen. Dies wertet das Ministerium als Zeichen einer steigenden Attraktivität des regionalen Startup-Ökosystems.
Ziel: Führender Startup-Standort in Deutschland
Mit der Fortentwicklung der Startup-Strategie verfolgt die Landesregierung ambitionierte Ziele. Künftig sollen insbesondere die Bereiche Scale-up-Finanzierung, Internationalisierung sowie Venture Clienting – also Kooperationen zwischen etablierten Unternehmen und Startups – weiter ausgebaut werden.
Das Ministerium sieht Startups als wesentlichen Innovationstreiber für Niedersachsen. Junge Unternehmen schaffen neue Arbeitsplätze, entwickeln innovative Geschäftsmodelle und sollen gleichzeitig dazu beitragen, klassische Industrien bei der Transformation zu unterstützen.
Fazit
Die aktuellen Zahlen zeigen, dass Niedersachsen seine Startup-Förderung in den vergangenen Jahren deutlich professionalisiert und ausgebaut hat. Von Gründungsstipendien über Hightech-Inkubatoren bis hin zu Beteiligungsfonds und Internationalisierungsprogrammen ist inzwischen eine nahezu durchgängige Förderlandschaft entstanden.
Ob sich der derzeitige Gründungsboom dauerhaft verstetigen lässt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Die Rekordzahlen bei Neugründungen, die hohen Investitionen in Forschung und Gründungsförderung sowie die zunehmende Vernetzung von Wissenschaft, Kapitalgebern und Wirtschaft sprechen jedoch dafür, dass Niedersachsen seinen Anspruch, zu den führenden Startup-Standorten Deutschlands zu gehören, mit Nachdruck verfolgt.


