16. September 2026

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Startup News Südamerika

Startup News Südamerika

Für Südamerika war der Zeitraum 9.–15. August 2026 deutlich lebhafter als viele der europäischen Märkte, die wir zuvor betrachtet haben. Besonders auffällig ist, dass FinTech weiterhin das dominante Thema ist – allerdings zunehmend kombiniert mit KI, Payment-Infrastruktur und alternativen Kreditmodellen.

Der größte neue Deal dieser Woche kommt aus Brasilien. Das FinTech Ume hat am 13. August eine Finanzierung über rund 96 Mio. US-Dollar über einen brasilianischen Kreditfonds (FIDC) bekannt gegeben. Beteiligt sind unter anderem Itaú, Bradesco, Verde und Credit Saison. Ume stellt Händlern und Plattformen Infrastruktur bereit, mit der sie ihren Kunden Finanzierungen anbieten können; KI übernimmt unter anderem Kreditanalyse, Pricing und Collections. Das Unternehmen ist bereits an rund 10.000 Verkaufsstellen aktiv und erreicht nach eigenen Angaben etwa vier Millionen Verbraucher.

🇨🇴 Kolumbien: 45 Mio. Dollar für Yuno

Einer der interessantesten klassischen VC-Deals kommt aus Kolumbien. Das Payment-Infrastruktur-Startup Yuno hat am 13. August eine Series B über 45 Mio. US-Dollar abgeschlossen. Lead-Investor ist Global PayTech Ventures; außerdem beteiligen sich unter anderem Andreessen Horowitz, Tiger Global, Kaszek, Monashees und Endeavor Catalyst.

Yuno wurde 2022 gegründet und stellt Unternehmen eine zentrale Zahlungsinfrastruktur bereit. Über eine API lassen sich nach Unternehmensangaben mehr als 1.000 Zahlungsmethoden und 460 Integrationen in über 190 Ländern anbinden. Zur Plattform gehören Payment Routing, Fraud Prevention, KYC/KYB und inzwischen auch Stablecoin-Zahlungen. Mit dem neuen Kapital will Yuno unter anderem seine US-Präsenz und Technologien für Agentic Commerce ausbauen.

Das macht Yuno für mich zu einem der spannendsten südamerikanischen Startups dieser Woche: Es baut keine lokale Consumer-App, sondern versucht, globale Payment-Infrastruktur aus Kolumbien heraus zu schaffen.

🇨🇱 Chile: Uber steigt bei Galgo ein

Aus Chile kommt ein strategisch interessanter Deal. Uber hat sich am FinTech Galgo beteiligt. Die Höhe der Investition wurde nicht veröffentlicht. Galgo finanziert insbesondere Motorräder für Menschen, die über traditionelle Banken nur schwer Kredite erhalten. Das Unternehmen ist bereits in Chile, Kolumbien und Mexiko aktiv und arbeitet mit mehr als 2.000 Händlern zusammen.

Besonders interessant ist die Verbindung mit Uber: Zunächst sollen in Mexiko Finanzierungsprodukte für Uber-Fahrer und Lieferpartner angeboten werden; anschließend sind Chile, Kolumbien und weitere Märkte vorgesehen. Galgo hat laut Unternehmen bereits mehr als 200.000 Menschen finanziert, mehr als 100 Mio. Dollar Eigenkapital aufgenommen und Kreditlinien von über 350 Mio. Dollar aufgebaut.

Der Deal zeigt eine wichtige Besonderheit des lateinamerikanischen Startup-Marktes: FinTech löst hier häufig Probleme, die in Europa weniger ausgeprägt sind – etwa fehlenden Bankzugang, geringe Kreditabdeckung oder Finanzierung für informell beziehungsweise flexibel Beschäftigte.

🇺🇾 Uruguay: hiSofi sammelt 1 Mio. Dollar für KI-Inkasso ein

Auch Uruguay hat diese Woche einen interessanten AI-FinTech-Deal. hiSofi hat 1 Mio. US-Dollar von SaaSholic und der staatlichen Innovationsagentur ANII aufgenommen. Davon stammen 250.000 Dollar aus einem öffentlichen Matching-Programm.

Das Unternehmen automatisiert Forderungsmanagement mit KI. Algorithmen analysieren das Verhalten von Schuldnern und entscheiden, wann, über welchen Kanal und mit welcher Strategie ein Kontakt sinnvoll ist. Gleichzeitig können Kunden Zahlungsvereinbarungen digital verhandeln.

Mit dem Kapital will hiSofi in Uruguay ein AI- und Data-Science-Hub aufbauen. Das Startup ist bereits in sechs lateinamerikanischen Ländern aktiv und arbeitet unter anderem mit iFood und Natura.

Gerade dieser Deal zeigt eine Stärke Uruguays: Das Land ist winzig, verfügt aber über einen vergleichsweise starken Software- und Engineering-Sektor und produziert immer wieder Unternehmen, die von Beginn an für den gesamten lateinamerikanischen Markt bauen.

🇧🇷 Brasilien: weitere 16 Mio. Dollar für FAZ Cred

Brasilien liefert gleich noch einen FinTech-Deal. FAZ Cred meldete am 10. August rund 16 Mio. US-Dollar an neuem Kapital beziehungsweise Kreditfinanzierung.

Zusammen mit der 96-Mio.-Dollar-Finanzierung von Ume zeigt das ziemlich deutlich, wo momentan besonders viel Kapital im brasilianischen Startup-Markt landet: Kreditinfrastruktur, Embedded Finance und alternative Finanzierungssysteme.

Brasilien bleibt dabei der wichtigste Startup-Markt Südamerikas. Im zweiten Quartal 2026 nahmen brasilianische Startups laut Crunchbase rund 350 Mio. Dollar auf – etwa 20 Prozent mehr als im ersten Quartal, wenn auch leicht weniger als im vergleichbaren Vorjahresquartal.

🇦🇷 Argentinien und 🇵🇪 Peru: diese Woche ruhiger

Für Argentinien und Peru konnte ich im exakten Zeitraum 9.–15. August keine größere neue Finanzierungsrunde finden, die ähnlich belastbar dokumentiert ist wie Ume, Yuno oder hiSofi.

Argentinien bleibt strukturell trotzdem ein sehr interessanter Markt. Bis Juni 2026 wurden laut Tracxn rund 376 Mio. Dollar über zwölf Equity-Runden eingesammelt, gegenüber rund 128 Mio. Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

Gerade Argentinien produziert erstaunlich viele international orientierte Gründer – FinTech, Crypto, Software, AgTech und DeepTech sind dort besonders interessant. Die Schwäche besteht weniger beim technischen Talent als bei lokal verfügbarem Wachstumskapital.

Was Südamerika von Europa unterscheidet

Nach den Ländern, die wir bisher betrachtet haben, fällt ein sehr klarer Unterschied auf.

In Europa dominiert momentan stark die Kombination aus AI, Defence, Robotics und DeepTech. In Südamerika ist FinTech weiterhin viel zentraler.

Das hat strukturelle Gründe. In vielen lateinamerikanischen Märkten existieren noch große Lücken bei Kreditvergabe, Zahlungsverkehr, Banking und finanzieller Inklusion. Ein Startup kann deshalb mit einer besseren Finanzinfrastruktur unmittelbar einen riesigen Markt adressieren.

Interessanterweise verschmilzt das klassische FinTech inzwischen aber mit KI. Ume setzt AI für Kreditentscheidungen ein, hiSofi für Collections und Yuno verbindet globale Payment-Orchestrierung mit Fraud Prevention und künftig agentischem Commerce.

Mein Südamerika-Ranking

Von den aktuell betrachteten Ländern würde ich Brasilien klar auf Platz 1 setzen: größter Markt, tiefstes VC-Ökosystem und starke FinTech-, SaaS-, AI-, AgTech- und ClimateTech-Szene.

Kolumbien ist für mich momentan der spannendste Herausforderer. Yuno zeigt, dass dort inzwischen Unternehmen entstehen, die nicht nur regional, sondern global denken.

Chile ist besonders stark bei FinTech, ClimateTech, MiningTech und B2B-Software. Argentinien besitzt wahrscheinlich das stärkste technische Gründerpotenzial relativ zur Größe seines VC-Marktes. Uruguay ist klein, aber bemerkenswert gut bei Software und FinTech. Peru bleibt im regionalen Vergleich noch deutlich kleiner.

Der Deal der Woche ist für mich Yuno. Die 45-Mio.-Dollar-Series-B ist zwar kleiner als Umes 96-Mio.-Dollar-Finanzierung, aber strategisch interessanter: Ein kolumbianisches Startup, unterstützt von a16z, Tiger Global, Kaszek und Monashees, baut eine globale Payment-Infrastruktur und bewegt sich bereits Richtung Stablecoins und Agentic Commerce. Das könnte langfristig ein wichtiger lateinamerikanischer Scaleup werden

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