Zusammenfassung des Zweiten Fortschrittsberichts zur Umsetzung der Start-up-Strategie der Bundesregierung
Der zweite Fortschrittsbericht dokumentiert den Stand der Umsetzung der im Juli 2022 verabschiedeten Start-up-Strategie der Bundesregierung. Ziel dieser Strategie ist es, das deutsche Start-up-Ökosystem zu stärken und innovationsfreundliche Rahmenbedingungen zu schaffen. Der Bericht zeigt, dass mittlerweile über 80 % der rund 130 Maßnahmen erfolgreich umgesetzt wurden – eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 36 Prozentpunkte.
Datenlage und Start-up-Entwicklung
Im ersten Halbjahr 2024 wurden in Deutschland 1.384 Start-ups gegründet – ein Plus von 15 % im Vergleich zum vorherigen Halbjahr. Besonders Regionen wie Sachsen und Sektoren wie Künstliche Intelligenz (KI) treiben das Wachstum voran. Insgesamt arbeiten über 520.000 Menschen in Start-ups, und der Wunsch zur Neueinstellung ist hoch.
Obwohl Deutschland mit derzeit 31 sogenannten „Einhörnern“ (Start-ups mit über 1 Milliarde USD Bewertung) international auf Platz fünf liegt, besteht laut Bericht im Vergleich zu Ländern wie den USA oder Israel noch Aufholbedarf. Auch beim Anteil der Wagniskapitalinvestitionen am BIP liegt Deutschland mit 0,18 % lediglich im Mittelfeld.
Erreichte Fortschritte in zentralen Handlungsfeldern
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Finanzierung stärken
Die Bundesregierung stellt umfangreiche Mittel bereit: Über den Zukunftsfonds wurden 10 Milliarden Euro bis 2030 vorgesehen. Neu ist u.a. der High-Tech Gründerfonds Opportunity, der Unternehmen in späteren Wachstumsphasen unterstützt. Der Wachstumsfonds Deutschland hat bereits über 400 Millionen Euro investiert und gilt als einer der größten Venture-Capital-Dachfonds Europas. -
Talente gewinnen & Mitarbeiterkapitalbeteiligung
Mit dem Fachkräfteeinwanderungsgesetz, der Chancenkarte für Drittstaatsangehörige sowie digitalen Visa- und Anerkennungsverfahren wird gezielt der Zugang zu qualifizierten Fachkräften erleichtert. Zudem wurde der steuerfreie Betrag für Mitarbeiterbeteiligungen erhöht, und steuerliche Hürden bei Konzernstrukturen und beim Arbeitgeberwechsel wurden reduziert. -
Gründungen erleichtern & digitalisieren
Der Praxischeck „Einfach(er) gründen“ identifizierte Verbesserungspotenziale bei Verwaltungsprozessen. Auch die Digitalisierung wurde vorangebracht – etwa durch notariell beglaubigte Online-Gründungsverfahren. Zudem wurden Bildungsinitiativen zur Förderung von Gründungsgeist an Schulen ausgebaut. -
Diversität & Gründerinnen fördern
Programme wie EXIST-Women oder der Migrant Accelerator fördern gezielt Frauen sowie Personen mit Einwanderungsgeschichte im Start-up-Bereich. Deutschland beteiligt sich auch an EU-Programmen wie GESIP, das Diversität im Wagniskapitalmarkt stärkt. -
Ausgründungen aus der Wissenschaft
Initiativen wie der Wettbewerb Startup Factories oder das Förderprogramm GO-Bio next helfen, wissenschaftliche Ideen in marktfähige Geschäftsmodelle zu überführen. Ergänzend läuft EXIST-Potentiale weiter erfolgreich an vielen Hochschulen. -
Gemeinwohlorientierte Start-ups
Mit der „Nationalen Strategie für Soziale Innovationen“ und Programmen wie „Nachhaltig wirken“ wird die gesellschaftliche Wirkung von Start-ups gestärkt. Impact-Venture-Fonds erhalten gezielt Förderungen, und auch Zugang zu öffentlichen Mitteln wurde erleichtert. -
Öffentliche Aufträge für Start-ups
Das Vergabetransformationspaket soll Start-ups besseren Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen ermöglichen. Dabei geht es um mehr Flexibilität, vereinfachte Verfahren und die Anerkennung von Innovationspotenzial auch bei Nebenangeboten. -
Datenzugang verbessern
Mit dem Data Act und nationalen Initiativen wie dem geplanten Dateninstitut soll der Zugang zu hochwertigen Daten verbessert werden. Dies ist besonders für datenbasierte Geschäftsmodelle von zentraler Bedeutung. -
Reallabore stärken
Start-ups sollen stärker in Reallaboren innovative Lösungen unter realen Bedingungen testen können. Der Abbau regulatorischer Hürden ist dabei ein Ziel. -
Start-ups ins Zentrum stellen
Die Bundesregierung betont ihre Absicht, Start-ups nicht nur als Wirtschaftsfaktor, sondern auch als Impulsgeber für die Transformation zu sehen. Daher sollen künftig noch gezielter ihre Belange bei Gesetzgebung, Verwaltung und Förderpolitik berücksichtigt werden.
Ausblick
Der Bericht unterstreicht, dass die Bundesregierung entschlossen ist, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen. Besonders wichtig bleiben Finanzierung, Fachkräftegewinnung, Entbürokratisierung und der Zugang zu Märkten und Daten. Mit dem positiven Trend bei Neugründungen und dem wachsenden internationalen Interesse an Deutschlands Start-up-Standort sieht sich die Bundesregierung auf gutem Kurs.


