17. July 2026

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Bremen setzt auf KI, Raumfahrt und internationale Netzwerke: So will das Bundesland zum Hotspot für Start-ups werden

Bremen setzt auf KI, Raumfahrt und internationale Netzwerke: So will das Bundesland zum Hotspot für Start-ups werden

Von der ersten Geschäftsidee über Prototypen bis hin zur Internationalisierung: Bremen baut seine Start-up-Förderung kontinuierlich aus und setzt dabei auf ein eng verzahntes Innovationsökosystem. Besonders Künstliche Intelligenz, Luft- und Raumfahrt sowie technologieorientierte Zukunftsbranchen stehen im Fokus der Wirtschaftspolitik. Die Deutsche Start-up Zeitung hat bei der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation nachgefragt, mit welchen Programmen Gründerinnen und Gründer aktuell unterstützt werden und welche Pläne das Land für die kommenden Jahre verfolgt.

Förderung entlang des gesamten Gründungsprozesses

Während viele Bundesländer einzelne Förderinstrumente für Unternehmensgründungen anbieten, verfolgt Bremen nach eigenen Angaben einen ganzheitlichen Ansatz. Ziel sei es, Start-ups von der ersten Idee bis in die Wachstums- und Internationalisierungsphase zu begleiten.

Zentrale Anlaufstelle ist das Starthaus Bremen & Bremerhaven, das bei der Bremer Aufbaubank (BAB) angesiedelt ist. Im Auftrag der Senatorin für Wirtschaft koordiniert das Starthaus zahlreiche Förderprogramme, Beratungsangebote und Qualifizierungsmaßnahmen. Ergänzt wird dieses Netzwerk durch Hochschulen, Forschungsinstitute, private Initiativen sowie Beteiligungsgesellschaften.

Bereits in der Frühphase sollen Programme wie der Open Innovation Cycle, Product Strategy oder Veranstaltungsformate wie die Startup Test Lounge dabei helfen, Geschäftsideen weiterzuentwickeln, Marktpotenziale zu überprüfen und erste Geschäftsmodelle zu validieren.

BreUp soll innovative Geschäftsideen schneller an den Markt bringen

Ein zentrales Instrument der Bremer Gründungsförderung ist das Programm BreUp. Es richtet sich an innovative Start-ups und unterstützt insbesondere die Entwicklung von Prototypen und Demonstratoren sowie die Vorbereitung des Markteintritts.

Nach Angaben des Wirtschaftsressorts soll das Programm dazu beitragen, den oftmals schwierigen Übergang zwischen einer innovativen Idee und einem marktfähigen Produkt zu erleichtern.

Darüber hinaus erhalten Gründerinnen und Gründer Qualifizierungsangebote in Bereichen wie Vertrieb, Kundengewinnung, Unternehmensführung und Investorenvorbereitung.

Finanzierung: Beteiligungen statt ausschließlich Zuschüsse

Neben klassischen Förderprogrammen setzt Bremen auf verschiedene Finanzierungsinstrumente.

Dazu gehören:

  • offene Beteiligungen,
  • stille Beteiligungen,
  • Beteiligungen mit Wandlungsoption,
  • Nachrangdarlehen,
  • Mikrokredite,
  • Innovationsförderprogramme,
  • sowie spezielle Förderinstrumente für Forschung und Entwicklung.

Für wachstumsorientierte Unternehmen stehen Programme wie FEI (Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation), LuRaFo oder das KI-Programm Digitaler Mittelstand KI zur Verfügung.

Damit verfolgt Bremen einen vergleichsweise breiten Förderansatz, der sowohl technologieorientierte Gründungen als auch klassische Innovationsprojekte adressiert.

Künstliche Intelligenz und Raumfahrt gehören zu den Zukunftsfeldern

Inhaltlich setzt Bremen klare Schwerpunkte.

Nach Angaben der Senatorin für Wirtschaft zählen insbesondere folgende Bereiche zu den wichtigsten Innovationsfeldern:

  • Künstliche Intelligenz,
  • Luft- und Raumfahrt,
  • Erdbeobachtungstechnologien,
  • datensichere KI-Anwendungen,
  • kritische Infrastrukturen,
  • Biotechnologie,
  • Medizintechnik,
  • Dual-Use-Technologien,
  • Digitalisierung.

Die Förderung erfolgt grundsätzlich branchenoffen, orientiert sich jedoch an den Schlüsseltechnologien der bremischen Innovationsstrategie (RIS3).

Gerade die traditionsreiche Luft- und Raumfahrtindustrie verschafft Bremen dabei einen Standortvorteil. Mit dem ESA BIC Northern Germany verfügt das Bundesland über einen der bedeutendsten europäischen Inkubatoren für Raumfahrt-Start-ups. Junge Unternehmen erhalten dort Zugang zu Finanzierung, technischer Beratung und einem spezialisierten Netzwerk aus Industrie, Forschung und Raumfahrt.

Hochschulen spielen eine Schlüsselrolle

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf wissenschaftlichen Ausgründungen.

Hier arbeitet Bremen eng mit den Hochschulen zusammen. Bundesprogramme wie EXIST-Gründungsstipendium und EXIST-Forschungstransfer unterstützen Gründungsteams bereits während ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit.

Auf Landesebene ergänzt BreUp diese Förderung durch Hilfen bei der Entwicklung marktfähiger Produkte und Geschäftsmodelle.

Zusätzlich bieten Hochschulen Inkubatoren, Accelerator-Programme sowie Gründungsberatungen an. Ziel ist es, Forschungsergebnisse schneller in wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen zu überführen.

Venture Capital soll leichter zugänglich werden

Für viele Start-ups entscheidet sich der spätere Unternehmenserfolg beim Zugang zu Wachstumskapital. Auch hier versucht Bremen, die Rahmenbedingungen zu verbessern.

Die Bremer Aufbaubank engagiert sich nach Angaben des Wirtschaftsressorts aktiv im Beteiligungsgeschäft. Sie hat den Bremer VC-Fonds mit aufgebaut und unterstützt diesen finanziell. Über ihre Beteiligungsgesellschaft BBM Beteiligungs-Managementgesellschaft Bremen mbH sowie die Mittelständische Beteiligungsgesellschaft (MBG) stehen zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Parallel bereitet das Starthaus junge Unternehmen mit einem Investor-Readiness-Programm gezielt auf Gespräche mit Venture-Capital-Gebern, Business Angels und institutionellen Investoren vor.

Internationale Vernetzung wird zunehmend wichtiger

Ein besonderes Merkmal der Bremer Start-up-Strategie ist die frühe internationale Ausrichtung.

Mit Programmen wie Starthaus goes International oder Step USA erhalten junge Unternehmen Zugang zu internationalen Innovationsstandorten. Hinzu kommen Delegationsreisen zu weltweit bedeutenden Start-up-Events wie:

  • Slush (Helsinki),
  • Viva Technology (Paris),
  • IJCAI,
  • internationalen Innovationsreisen,
  • sowie Netzwerken der Auslandshandelskammern (AHKs).

Ziel ist es, Start-ups frühzeitig mit internationalen Investoren, potenziellen Kunden und Kooperationspartnern zusammenzubringen.

Vernetztes Ökosystem statt Einzelmaßnahmen

Nach Auffassung des Wirtschaftsressorts liegt die besondere Stärke Bremens weniger in einzelnen Förderprogrammen als im Zusammenspiel aller Akteure.

Neben der Senatorin für Wirtschaft gehören dazu unter anderem:

  • die Bremer Aufbaubank,
  • das Starthaus,
  • Hochschulen,
  • Technologie- und Forschungszentren,
  • Bremen Startups,
  • private Netzwerke,
  • Venture-Capital-Investoren,
  • Business Angels,
  • Inkubatoren und Acceleratoren.

Dieses Netzwerk soll Gründern möglichst kurze Wege und einen schnellen Zugang zu Beratung, Finanzierung und Kooperationspartnern ermöglichen.

Ausbau der internationalen Sichtbarkeit geplant

Auch künftig möchte Bremen seine Position als Innovationsstandort weiter stärken.

Nach Angaben der Senatorin sollen Start-ups noch stärker in internationale Delegationsreisen, Gemeinschaftsstände und internationale Innovationsveranstaltungen eingebunden werden.

Mit dem ESA BIC Northern Germany und dem Digital Hub Industry, der Teil der bundesweiten de ist, verfügt Bremen bereits über zwei Einrichtungen, die jungen Technologieunternehmen nationale und internationale Sichtbarkeit verschaffen sollen.

Chancen – aber auch offene Fragen

Das Förderangebot zeigt, dass Bremen inzwischen über ein breit aufgestelltes Instrumentarium für technologieorientierte Gründungen verfügt. Positiv hervorzuheben sind insbesondere die enge Verzahnung von Finanzierung, Qualifizierung und Internationalisierung sowie die Spezialisierung auf Zukunftstechnologien.

Auffällig ist allerdings, dass das Wirtschaftsressort keine belastbaren Zahlen dazu nennen kann, wie viele Start-ups bislang tatsächlich gefördert wurden oder welches Gesamtfördervolumen in den vergangenen Jahren ausgezahlt wurde. Dadurch bleibt die tatsächliche Wirksamkeit der Programme bislang nur eingeschränkt messbar. Für Investoren, Gründer und wirtschaftspolitische Beobachter wären solche Kennzahlen ein wichtiger Indikator, um den Erfolg der Förderstrategie objektiv bewerten zu können.

Fazit

Bremen positioniert sich zunehmend als technologieorientierter Start-up-Standort mit internationalem Anspruch. Besonders in den Bereichen Künstliche Intelligenz, Luft- und Raumfahrt, Digitalisierung und DeepTech setzt das Bundesland auf gezielte Förderung, starke Netzwerke und internationale Vernetzung. Entscheidend wird in den kommenden Jahren sein, ob sich diese Strategie auch in steigenden Gründungszahlen, erfolgreichen Finanzierungsrunden und international wettbewerbsfähigen Wachstumsunternehmen niederschlägt.

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