Asien ohne China und Indien: Indonesien meldet Mega-Deal – Japan und Korea setzen auf Deeptech
270 Millionen Dollar für Ajaib, Milliarden Yen für japanische KI-Startups und neue Roboter aus Singapur: Asiens Startup-Markt wird technologischer
Wer Asiens Startup-Szene nur mit China gleichsetzt, übersieht inzwischen einen erheblichen Teil der Entwicklung. Indonesien, Singapur, Japan, Südkorea und Malaysia bringen derzeit Finanzierungen hervor, die von Fintech über künstliche Intelligenz bis zu Halbleitern und Verteidigungstechnologie reichen.
Recherchezeitraum: 31. August bis 5. September 2026. China und Indien sind in diesem Artikel ausdrücklich nicht enthalten.
Die größte Finanzierungsnachricht kommt aus Indonesien.
Der japanische Finanzkonzern SBI Holdings investiert 270 Millionen US-Dollar in die Investmentplattform Ajaib und erhält dafür ungefähr 20 Prozent des Unternehmens.
Ajaib bezeichnet die Transaktion als größte Technologie-Finanzierungsrunde Indonesiens seit 2022.
Das Unternehmen wurde 2019 gegründet und begann als Onlinebroker. Heute können Nutzer über die Plattform Aktien, Investmentfonds und Kryptowährungen handeln. Insgesamt hat Ajaib inzwischen mehr als 500 Millionen Dollar Kapital aufgenommen.
Der Deal ist auch geopolitisch interessant.
Der Investor kommt aus Japan.
Das Zielunternehmen sitzt in Indonesien.
Und ein Teil der gemeinsamen Strategie betrifft digitale Vermögenswerte in Asien.
Damit entsteht zunehmend ein asiatischer Kapitalmarkt, der nicht zwingend auf chinesisches oder amerikanisches Kapital angewiesen ist.
Japan: PeopleX sammelt 5,45 Milliarden Yen ein
Auch Japan liefert eine der größten Finanzierungsrunden der vergangenen Tage.
PeopleX gab am 2. September bekannt, in einer Series-A-Finanzierung über Eigenkapital und Fremdkapital insgesamt 5,45 Milliarden Yen eingesammelt zu haben.
Seit der Gründung im April 2024 kommt das Unternehmen damit auf insgesamt 7,82 Milliarden Yen Finanzierung.
PeopleX entwickelt KI-Lösungen für Personalwesen und Vertrieb und präsentierte gleichzeitig ein eigenes sogenanntes MotherAI-Betriebssystem namens „Athena“.
Das Unternehmen verfolgt ausgesprochen ambitionierte Pläne: Bis zum Geschäftsjahr 2031 wird ein Umsatz von 100 Milliarden Yen angestrebt, langfristig verbunden mit einem Börsengang.
Gerade in Japan ist diese Entwicklung interessant.
Das Land besitzt riesige Industriekonzerne und hervorragende Forschung, hatte aber über viele Jahre deutlich weniger international sichtbare Software-Startups als die USA.
Generative KI könnte dieses Verhältnis verändern.
Wettertechnik wird zur Verteidigungstechnologie
Noch deutlicher wird der japanische Deeptech-Trend beim Kyoto-Spinout Metro Weather.
Das Unternehmen sammelte 1,5 Milliarden Yen im ersten Teil seiner Series-B-Runde ein.
Investoren sind unter anderem Incubate Fund und Mitsubishi Heavy Industries.
Metro Weather entwickelt Doppler-Lidar-Technologie, mit der Wind und Objekte hochpräzise erkannt werden können.
Ursprünglich besitzen solche Systeme Anwendungen beispielsweise in Wetterbeobachtung oder Luftfahrt.
Mittlerweile entwickelt das Unternehmen aber auch Anwendungen für Verteidigung und kritische Infrastruktur.
Die Series-B-Runde soll insgesamt auf 2,5 Milliarden Yen wachsen. Seit der Gründung wurden bereits 3,56 Milliarden Yen eingeworben.
Auch hier zeigt sich ein weltweiter Trend:
Technologien, die ursprünglich für zivile Anwendungen entwickelt wurden, finden zunehmend einen zweiten Markt in Sicherheit und Verteidigung.
Südkorea entwickelt Drohnen gegen Drohnen
Noch direkter ist die Anwendung beim südkoreanischen Startup Airbility.
Das Unternehmen hat eine Series-A-Runde über 6,5 Milliarden Won beziehungsweise rund 4,7 Millionen Dollar abgeschlossen.
Airbility entwickelt schnelle elektrische Fluggeräte, die gegnerische Drohnen abfangen sollen.
Statt teure Flugabwehrraketen gegen vergleichsweise günstige Angriffsdrohnen einzusetzen, soll eine andere Drohne die Bedrohung neutralisieren.
Die Technologie stammt teilweise aus dem Umfeld des südkoreanischen staatlichen Rüstungsforschungsinstituts. Airbility wurde 2023 von Forschern und Ingenieuren gegründet, die zuvor unter anderem für die Agency for Defense Development, Hyundai und LG gearbeitet hatten.
Das Unternehmen spricht bereits mit Interessenten in mehreren Regionen der Welt.
DefenceTech ist damit längst nicht mehr nur ein amerikanisches oder europäisches Investmentthema.
Südkorea will selbst zu einem der weltweit wichtigsten Rüstungsexporteure werden – und Startups könnten dabei künftig eine größere Rolle übernehmen.
Singapur lässt Roboter Toiletten putzen
Weniger martialisch, aber wirtschaftlich möglicherweise ebenso interessant ist Hivebotics aus Singapur.
Das Robotikstartup sammelte am 4. September sechs Millionen Dollar in einer Series-A-Runde ein.
Die Finanzierung wird von Vertex Ventures Southeast Asia & India angeführt.
Hivebotics entwickelt den Reinigungsroboter Abluo.
Anders als viele bisherige Reinigungsroboter soll er nicht lediglich Böden reinigen. Ein beweglicher Arm ermöglicht es ihm, Toiletten, Urinale und Waschbecken in öffentlichen Sanitärräumen selbstständig zu reinigen.
Das Kapital soll nun die Produktion aus Pilotprojekten in größere Stückzahlen überführen.
Das klingt zunächst weniger spektakulär als generative KI.
Doch genau solche Anwendungen könnten für die Robotik entscheidend werden.
Ein Roboter, der einen konkreten und teuren Arbeitsprozess zuverlässig automatisiert, besitzt häufig einen leichter nachvollziehbaren wirtschaftlichen Nutzen als ein weiteres allgemeines KI-Tool.
Malaysia greift nach dem KI-Chipmarkt
Eine besonders interessante Deeptech-Finanzierung kommt aus Malaysia.
nanoSkunkWorkX, kurz nSWX, sammelte zwei Millionen Dollar Seed-Kapital ein.
Das Unternehmen entwickelt Materialien für moderne Halbleitergehäuse.
Ein zentraler Ansatz betrifft die Wärmeableitung in KI-Chips.
Je leistungsfähiger KI-Prozessoren werden, desto größer werden Hitze und Stromdichte innerhalb der Chipmodule.
nSWX arbeitet deshalb an sehr dünnen Materialschichten, die Wärme und elektrische Signale besser transportieren sollen, ohne bestehende Fertigungsverfahren vollständig ersetzen zu müssen.
Für Malaysia ist das strategisch wichtig.
Das Land besitzt bereits eine bedeutende Halbleiterindustrie im Bereich Assembly, Testing und Packaging.
Startups wie nSWX könnten dafür sorgen, dass Malaysia nicht nur Produktionsstandort bleibt, sondern zunehmend eigenes geistiges Eigentum entwickelt.
Reisen heute – bezahlen später
Auch klassische Consumer-Startups verschwinden nicht.
Das in Singapur ansässige Reiseunternehmen Laters.com sammelte 1,5 Millionen Dollar Seed-Kapital ein.
Das Unternehmen hieß zuvor Fly Fairly und ermöglicht Kunden, Flüge mit unterschiedlichen Zahlungsformen zu buchen – darunter Ratenzahlung, Buy-now-pay-later und Kryptowährungen.
Nach Unternehmensangaben werden Flüge von mehr als 650 Airlines angeboten.
Das neue Kapital soll sowohl die Reisesparte als auch weitere Produktbereiche ausbauen.
Fazit: Asien entwickelt mehrere Technologiezentren gleichzeitig
Die vergangenen fünf Tage zeigen, dass es außerhalb Chinas längst nicht mehr nur ein asiatisches Startup-Zentrum gibt.
Indonesien produziert große Fintech-Plattformen.
Japan investiert in Enterprise-KI und Lidar.
Südkorea entwickelt DefenceTech.
Singapur baut Robotik und Fintech.
Malaysia setzt auf Halbleiter-Deeptech.
Die einzelnen Märkte sind kleiner als China oder die USA.
Gemeinsam bilden sie aber ein zunehmend bedeutendes Technologieökosystem.
Besonders auffällig ist dabei die Verbindung zwischen Startups und bestehenden industriellen Stärken.
Japan kombiniert Startups mit Großkonzernen.
Südkorea verbindet Luftfahrt und Verteidigung.
Malaysia baut auf seine Halbleiterfertigung.
Singapur verbindet Kapitalmarkt, Forschung und internationale Expansion.
Asiens Startup-Zukunft außerhalb Chinas dürfte deshalb weniger von einem einzigen Silicon Valley geprägt werden – sondern von mehreren hoch spezialisierten Technologiezentren.


