16. September 2026

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Start-ups Asien

Indien: 70 Millionen Dollar für einen Smart Ring – und der große Bewertungsreset geht weiter

Indien: 70 Millionen Dollar für einen Smart Ring – und der große Bewertungsreset geht weiter

Ultrahuman wächst, Adobe kauft indische KI-Technologie und Unacademy wird 94 Prozent unter seiner einstigen Spitzenbewertung verkauft

Indiens Startup-Woche zeigt zwei vollkommen unterschiedliche Welten. Auf der einen Seite fließen Millionen in Wearables, Raumfahrt, Mode und KI. Auf der anderen Seite werden frühere Unicorns zu einem Bruchteil ihrer einstigen Bewertungen verkauft. Kaum ein Startup-Markt zeigt derzeit deutlicher, wie brutal die Neubewertung nach den Boomjahren 2020 und 2021 ausfallen kann.

Recherchezeitraum: 31. August bis 5. September 2026

Eine der größten aktuellen Finanzierungsrunden erhält Ultrahuman.

Das Unternehmen aus Bengaluru hat 70 Millionen US-Dollar aufgenommen.

Zu den Investoren gehört unter anderem Qualcomm Ventures. Auch Labcorp, Alpha Wave, Blume Ventures, Nexus Venture Partners und Alteria Capital beteiligen sich.

65 Millionen Dollar kommen als Eigenkapital, weitere fünf Millionen als Fremdkapital.

Nach Informationen von TechCrunch wird Ultrahuman dabei mit rund 365 Millionen Dollar bewertet – ungefähr dreimal so hoch wie 2023.

Ultrahuman wurde vor allem durch seine Smart Rings bekannt.

Doch das Unternehmen will das kleine Gerät langfristig stärker in Richtung Computerplattform entwickeln.

Der Ring soll künftig nicht lediglich Schlaf, Bewegung und Gesundheitsdaten messen.

Software und KI sollen zunehmend direkt auf dem Gerät laufen.

Damit folgt Ultrahuman einem wichtigen Trend:

Wearables entwickeln sich von passiven Sensoren zu kleinen eigenständigen Computern.

Unacademy: Von 3,44 Milliarden auf 206 Millionen Dollar

Die spektakulärste Nachricht der Woche ist allerdings kein Funding.

Sie ist ein Verkauf.

Das indische Edtech Unacademy wurde vom Konkurrenten upGrad übernommen.

Der Kaufpreis beziehungsweise die im Aktientausch zugrunde gelegte Bewertung liegt bei ungefähr 206 Millionen Dollar.

2021 war Unacademy noch 3,44 Milliarden Dollar wert.

Damit liegt die heutige Bewertung rund 94 Prozent unter dem damaligen Spitzenwert.

Unacademy gehört damit zu den eindrucksvollsten Beispielen für die Folgen der Pandemie-Euphorie.

Während der Lockdowns explodierte die Nachfrage nach digitaler Bildung.

Investoren finanzierten Wachstum um nahezu jeden Preis.

Als Schulen und Universitäten wieder öffneten, änderte sich das Marktumfeld.

Unacademy musste Mitarbeiter abbauen, Kosten senken und Geschäftsbereiche neu ausrichten.

Bemerkenswert ist, dass das Unternehmen laut seinem Mitgründer zum Zeitpunkt des Verkaufs noch rund 95 Millionen Dollar Cash besaß und große Teile des Geschäfts profitabel oder nahezu profitabel waren.

Die Entscheidung zum Verkauf war also nicht zwangsläufig eine Notrettung.

Trotzdem ist die Bewertungsdifferenz enorm.

Sie zeigt:

Ein Unicorn-Status ist keine dauerhafte Unternehmensbewertung.

Adobe kauft indisches KI-Startup Rilo

Ein positiveres Exit-Signal kommt von Rilo.

Adobe bestätigte am 2. September die Übernahme des indischen KI-Startups.

Der Kaufpreis wurde nicht veröffentlicht.

Rilo entwickelt Technologie, mit der Marketingprozesse automatisiert und ausgewertet werden können.

Interessant ist vor allem das Alter des Unternehmens.

Rilo wurde erst 2025 gegründet.

Nun übernimmt einer der größten Softwarekonzerne der Welt Team und Technologie.

Damit bestätigt sich ein Trend, der auch in den USA zu beobachten ist:

Große Softwareanbieter kaufen spezialisierte KI-Startups teilweise bereits nach wenigen Jahren – oder sogar Monaten.

Für Gründer kann dadurch ein neuer Exit-Pfad entstehen:

nicht zehn Jahre bis zum Börsengang,

sondern zwei Jahre bis zum strategischen Verkauf.

SUGAR Cosmetics verliert massiv an Bewertung

Noch drastischer als bei vielen Technologieunternehmen fällt der Bewertungsreset bei SUGAR Cosmetics aus.

Das indische Beauty-Unternehmen hat laut Unternehmensunterlagen rund 144,47 Crore Rupien, umgerechnet etwa 15,3 Millionen Dollar, von A91 Partners aufgenommen.

Die daraus abgeleitete Bewertung liegt laut Inc42 nur noch bei rund 550 bis 600 Crore Rupien.

Bei einer früheren Runde 2024 war die Bewertung mit ungefähr 2.600 bis 2.700 Crore Rupien angesetzt worden.

Andere Marktberichte vergleichen mit einer noch höheren Spitzenbewertung von etwa 3.000 Crore Rupien.

Damit liegt der Rückgang je nach Vergleichswert bei ungefähr 75 bis über 80 Prozent.

Der Grund liegt nicht nur im veränderten Kapitalmarkt.

SUGAR kämpft auch operativ.

Nach den veröffentlichten Zahlen sank der operative Umsatz im Geschäftsjahr 2025 um rund 20 Prozent, während der Nettoverlust deutlich anstieg.

Die Botschaft ist eindeutig:

Auch bekannte Consumer-Marken bekommen 2026 keine alten Boom-Bewertungen mehr geschenkt.

10,5 Millionen Dollar für indische Sneaker

Dass Consumer-Marken weiterhin Kapital erhalten können, zeigt gleichzeitig Comet.

Die indische Sneaker-Marke sammelte 10,5 Millionen Dollar in einer Series-B-Runde ein.

Angeführt wird die Finanzierung von Verlinvest; auch Elevation Capital und Nexus Venture Partners beteiligten sich erneut.

Comet will das Geld für neue Geschäfte, Produktentwicklung, Technologie und eigene Produktionswerkzeuge verwenden.

Der Deal zeigt, dass Investoren Konsumgüter keineswegs aufgegeben haben.

Allerdings reicht inzwischen eine schöne D2C-Geschichte allein nicht mehr.

Marke, Margen, Wiederkaufraten und physische Vertriebsmöglichkeiten werden deutlich kritischer geprüft.

Ein 20-Jähriger baut Flugzeuge, die monatelang fliegen sollen

Eine der ungewöhnlichsten Gründungen kommt aus Bengaluru.

Alteon hat 2,5 Millionen Dollar Pre-Seed-Kapital erhalten.

Das Unternehmen entwickelt autonome Flugzeuge, die durch sogenanntes Dynamic Soaring Energie aus unterschiedlichen Windgeschwindigkeiten über dem Ozean gewinnen sollen.

Das langfristige Ziel ist bemerkenswert:

Die Flugzeuge sollen über Monate – möglicherweise erheblich länger – in der Luft bleiben können, ohne klassische Betankung.

Mögliche Anwendungen liegen unter anderem in maritimer Überwachung und Aufklärung.

Alteon gehört damit zu jener neuen Generation indischer Deeptech-Unternehmen, die nicht mehr lediglich Software-Services anbieten.

Sie bauen eigene Hardware, Raumfahrttechnik, Drohnen und Verteidigungssysteme.

ESDS legt spektakulären Börsenstart hin

Dass indische Technologieunternehmen auch am Aktienmarkt wieder Kapital erhalten, zeigt ESDS Software Solution.

Der Anbieter von Cloud- und KI-Infrastruktur ging am 4. September an die Börse.

Der Ausgabepreis lag bei 429 Rupien.

Die Aktie eröffnete an der NSE bei 757 Rupien – ein Plus von rund 76 Prozent.

Das Unternehmen hatte mit seinem Börsengang 720 Crore Rupien eingesammelt. Die Emission war zuvor massiv überzeichnet worden.

Der starke Börsenstart ist ein wichtiges Signal.

Indien besitzt inzwischen einen Vorteil, den viele europäische Startup-Märkte vermissen:

einen enorm aktiven heimischen Aktienmarkt.

Das kann erfolgreichen Technologieunternehmen einen Exit ermöglichen, ohne zwingend an die Nasdaq gehen zu müssen.

Satvacart gibt nach zwölf Jahren auf

Es gibt aber auch Verlierer.

Das Online-Lebensmittelstartup Satvacart stellte Ende August nach zwölf Jahren seinen Betrieb ein. Die Nachricht wurde Anfang September öffentlich.

Das Unternehmen hatte versucht, neues Kapital, strategische Investoren oder einen Käufer zu finden.

Nachdem diese Gespräche nicht zum gewünschten Ergebnis führten, wurde das Team aufgelöst.

Die Ursache liegt auch im veränderten indischen Lebensmittelmarkt.

Quick-Commerce-Anbieter liefern inzwischen Lebensmittel teilweise innerhalb weniger Minuten.

Für ältere Online-Grocery-Modelle wird es dadurch immer schwieriger, ohne enorme Kapitalreserven zu konkurrieren.

Fazit: Indien wird härter – und dadurch möglicherweise gesünder

Indiens Startup-Markt ist 2026 gleichzeitig brutal und faszinierend.

Ultrahuman wächst.

Comet bekommt frisches Kapital.

Adobe kauft indische KI-Technologie.

Deeptech-Unternehmen wie Alteon entstehen.

Techfirmen finden Zugang zur Börse.

Gleichzeitig verschwinden Geschäftsmodelle, die nicht ausreichend skalieren.

Und frühere Milliardenbewertungen werden teilweise um 80 oder 90 Prozent korrigiert.

Das klingt schmerzhaft.

Für einen langfristig funktionierenden Startup-Markt kann genau das jedoch notwendig sein.

Denn Unternehmen müssen wieder beweisen, dass sie nicht nur Kapital einsammeln können.

Sie müssen Geschäftsmodelle bauen, die irgendwann tatsächlich Geld verdienen.

Indien besitzt weiterhin enorme Wachstumschancen. Aber die Zeit, in der nahezu jede gute Wachstumsgeschichte automatisch zur Milliardenbewertung führte, ist vorbei.

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